Verfahren vor Oberlandesgericht Düsseldorf
Terror-Verdächtiger angeblich bin Ladens Leibwächter

Ein mutmaßlicher islamistischer Terrorist, der in Düsseldorf vor Gericht steht, ist angeblich ein Leibwächter Osama bin Ladens gewesen. Der Angeklagte habe dies selbst eingeräumt, bestätigten Bundesanwaltschaft und Verteidiger des Jordaniers am Dienstag zum Prozessauftakt.

HB/dpa DÜSSELDORF. Das Verfahren vor dem Oberlandesgericht begann unter starkem Polizeischutz in einem Sicherheitstrakt, weil der 26-jährige Angeklagte als stark gefährdet gilt. Der geständige Mann sei auch in Trainingslagern der El Kaida in Afghanistan ausgebildet worden und soll an der Vorbereitung von Anschlägen in Deutschland beteiligt gewesen sein. El Kaida ist die Terrororganisation des saudischen Millionärs Bin Laden.

Die Ankläger werfen dem 26-Jährigen Mitgliedschaft in der Terrorzelle Al Tawhid und Passfälschung vor. So sei geplant gewesen, nahe einer israelischen oder jüdischen Einrichtung in Deutschland mit Handgranaten möglichst viele Menschen zu töten. Auch sollte ein Attentat mit einer Schalldämpferpistole verübt werden. Das Geld dafür sei aus Saudi-Arabien gekommen. Inzwischen distanziere sich sein Mandant von seiner Vergangenheit, sagte sein Anwalt.

Der Angeklagte sagte, er habe mit Religion nie viel zu tun gehabt. Erst in Deutschland habe er Kontakt zu Islamisten bekommen. Weil er in Dortmund einen von Drogenhändlern geplanten Polizistenmord an die Polizei verraten habe, sei er in ein Zeugenschutzprogramm gekommen und nach Krefeld gebracht worden. Als seine Sozialhilfe ausgegeben war, sei er dort wegen des kostenlosen Essens in eine Moschee gegangen. Dabei habe er junge Gläubigen kennen gelernt und sei später nach Mekka und Afghanistan gereist.

Der Palästinenser soll in den Lagern von El Kaida in Afghanistan bei Kandahar ausgebildet worden sein. Er hatte dabei nach eigenen Angaben auch Kontakt zu den Hintermännern der Anschläge des 11. September 2001 in New York und Washington. Er soll Mitglied der von El Kaida unabhängigen, aber ideologisch verbundenen Terrorzelle Al Tawhid gewesen sein.

Als Ermittler beim Abhören von Telefonaten auf verdächtige Gespräche stießen, die auf Anschlagspläne deuteten, wurde der 26- Jährige im April 2002 verhaftet. Er legte ein umfassendes Geständnis ab und wurde zum wichtigen Zeugen in anderen Terrorverfahren. So belastete er im weltweit ersten Prozess um die Terroranschläge vom 11. September 2001 in Hamburg den inzwischen zu 15 Jahren Haft verurteilten Mounir El Motassadeq.

Der Angeklagte arbeitete in verschiedenen Städten in Nordrhein- Westfalen - in einer Pizzeria, einer Reinigungsfirma und einer Eisdiele. Er rauchte Haschisch und "wusste nicht einmal, wie man betet", sagte er. Nach einem Treffen von 10 000 Moslems im Juli 1999 in Frankfurt am Main sei dann sein Interesse am Islam erwacht. Vorher habe er sich "über diese Typen amüsiert", sagte er.

Einige Zeit später, so die Ermittler, habe der Palästinenser im Terrornetzwerk Pässe beschafft und Anschläge organisiert. Für den Prozess sind bis Ende September 26 Verhandlungstage angesetzt. Am Mittwoch kommender Woche wird weiter verhandelt.

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