Verfall der Kakaopreise
Schoko-Industrie rechnet nicht mit Kakaovernichtung

dpa HAMBURG. Die Schokoladenindustrie im deutschsprachigen Raum zeigt sich vom anhaltenden Verfall der Kakaopreise unbeeindruckt. Auch die Ankündigung, der führenden Kakaoproduzenten Elfenbeinküste, Ghana, Nigeria und Kamerun, zur Stützung des Preises eine viertel Million Tonnen Kakaobohnen vernichten zu wollen, beunruhigt den Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie e.V. nicht. Die Erfahrung habe gezeigt, dass zwischen solchen Ankündigungen und der Realität Unterschiede bestehen, sagte ein Sprecher. Solche Ankündigungen gab es schon häufig, am Ende habe die Ware doch immer einen Weg in den Markt gefunden. Durch Vernichtung lasse sich das Problem des Preisverfalls nicht lösen.

Insgesamt verbraucht die deutsche Industrie mit mehr als 300 000 Tonnen Kakao über ein Zehntel der Welternte. 1999 wurden 212 000 Tonnen Kakaobohnen in Deutschland vermahlen. Davon stammten 148 000 Tonnen von der Elfenbeinküste, die einen Marktanteil von 70 % hält. Aus dem Nachbarland Ghana kamen weitere 25 000 Tonnen. Die restlichen rund 100 000 Tonnen des jährlichen Verbrauchs wurden als bereits verarbeitete Schokolade besonders aus den Niederlanden und Belgien importiert. Gemeinsam mit den USA gehört Deutschland zu den größten Kakaoverbrauchern der Welt.

Positiv reagierte die Alfred Ritter GmbH & Co. KG auf die Entwicklung am Kakaomarkt. Seit längerem übersteige die Produktion die Nachfrage. "Es gibt einen permanenten Druck auf die Erzeugerpreise", sagte ein Sprecher. Die Hersteller von Schokolade hätten von diesem Trend "eher profitiert". Auf der Nachfrageseite gebe in Deutschland hingegen kaum Bewegung. "Der Markt für Schokolade ist seit vielen Jahren gesättigt." Das für die Marke "Ritter Sport" bekannte Unternehmen hat nach eigenen Angaben in Deutschland einen Marktanteil von 23 % bei Tafelschokolade.

Lediglich der Verband Schweizer Schokoladenfabrikanten Chocosuisse ist nach Angaben seines Generalsekretärs Kurt Hunziger über die allzu niedrigen Preise "nicht glücklich". "Bei zu niedrigen Preisen gibt es keinen Anreiz für den Bauern, großen Aufwand mit den Pflanzen zu betreiben", sagt Generalsekretär Kurt Hunziger. Die Qualität leide dann. "Die Preise sollten auf einem Niveau sein, das sich für den Bauern auch lohnt." Im Europa weiten Vergleich nehmen die Schweizer Schokoladenhersteller bei der Herstellung von Schokoprodukten nur einen der hinteren Ränge ein, sagte Hunziger. Sie kauften allerdings praktisch nur die besten Sorten.

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