Verfallstermin könnte belasten
Analysten geben verhaltenen Dax-Ausblick

Angesichts krass unterbewerteter Aktien könnte am deutschen Aktienmarkt in der kommenden Woche eine technische Gegenbewegung anstehen, glauben manche Experten in den Banken. Andererseits dürfte der bevorstehende Verfallstag an den Terminbörsen für weiteren Abwärts-Druck sorgen.

rtr/ vwd/ mm FRANKFURT/ DÜSSELDORF. Belastende Unternehmens-Nachrichten und eine anhaltende Vertrauenskrise haben den Aktienmärkten in den vergangenen Wochen drastische Kursverluste beschert. Die Mehrzahl der Indizes ist aber inzwischen auf charttechnische Unterstützungsmarken gesunken, was kurzfristig eine technische Erholung wahrscheinlich macht.
Vor allem im gebeutelten Technologie- und Telekommunikations-Sektor dürfte verhaltener Optimismus aufkommen. Marktbestimmend dürften in diesem Zusammenhang in den kommenden Wochen die Aussagen der US-amerikanischen Unternehmen im Vorfeld der Berichtssaison Anfang Juli sein. Das Ausmaß der Gewinnwarnungen im Technologie-Sektor sollte jedoch im relativen Vergleich mit den Vorquartalen zurückgehen, glauben jedenfalls die Analysten bei der DZ-Bank.

In der zweiten Jahreshälfte sprechen dann auch verbesserte fundamentale Rahmenbedingungen für wieder steigende Kurse. Die ursprünglichen Kursziele zum Jahresende seien aus heutiger Sicht aber kaum noch zu erreichen, so dass die DZ-Banker ihre Prognosen für einige wichtige Aktienindizes nach unten revidiert. So wurde das Kursziel für den Dax auf 5300 (zuvor 5700) Punkte, für den DJ Stoxx 50 auf 3650 (3800) Punkte und für den S&P 500 auf 1150 (1160) Punkte zurückgenommen. Die Anlageurteile für die einzelnen Aktienmärkte blieben dagegen unverändert.

Börsen-Analysten sind skeptisch

Die Experten in der Commerzbank sind unterdessen kurzfristig skeptisch. Trotz einer Unterbewertung ist im deutschen Aktienmarkt aus technischer Sicht kurzfristig ein weiterer Kursrückgang möglich. Nur so könne ein grundlegender Stimmungswechsel herbeigeführt werden. Vor dem Hintergrund starker Verunsicherung empfiehlt die Commerzbank derzeit noch Zurückhaltung bei Neuengagements. Mittelfristig orientierte private Anleger sollten bessere Unternehmensnachrichten und eine Stabilisierung des Marktes abwarten.

Auch die Experten beim Stuttgarter Bankhaus Ellwanger & Geiger betrachten den Gesamtmarkt nach wie vor kritisch und sehen ihn ausschließlich geeignet für Trading-Aktionen. Beim Dax sei ein Rückschlag bis 4000 Zähler wahrscheinlich. Umgedreht ist davon auszugehen, dass in dem momentanen Szenario Index-Stände oberhalb von 5000 Punkten sehr unwahrscheinlich sind.

Die Zurückhaltung der Anleger, die Stagnation der Unternehmen betreffend ihrer Erträge, die weiter steigende Verunsicherung durch weitere mögliche Terror-Aktionen, rufen insbesondere bei institutionellen Anlegern ein großes Misstrauen hervor, das in vielen Fällen zu einem Abbau ihrer Aktien-Positionen führt, meinen Ellwanger & Geiger. Hinzu komme noch, dass in Deutschland bei den Dax-Werten durch ständige negative Schlagzeilen viele Schwergewichte den Gesamtmarkt belasten. Damit sei die Frage offen, ob es noch zu einem Sell-off komme oder wir uns bereits auf dem Talboden befinden. Charttechnisch sehen die Indizes nach wie vor kritisch aus.

Auch das Wertpapier-Handelshaus Lang & Schwarz sieht noch kein Licht am Ende des Tunnels. Obwohl die deutschen Standardwerte technisch stark überverkauft seien, sei kein Anzeichen einer Erholung auszumachen, sagte Giuseppe Amato, Aktienstratege bei Lang & Schwarz. Anleger-Interesse könnte die Hauptversammlung der Deutschen Lufthansa auf sich ziehen, da die Fluggesellschaft Marktteilnehmern noch einen Geschäftsausblick für das Gesamtjahr schuldig ist. Die Aussichten für das Wachstumssegment Neuer Markt beurteilt Stratege Amato noch schlechter als diejenigen für den Dax und rät zur Zurückhaltung: "Wer hier zwischen guten und schlechten Werten unterscheidet, der betreibt Stühlerücken auf der Titanic."

Verfallstermin an der Eurex könnte belasten

Zudem werfe der große Verfallstag an den Terminmärkten am kommenden Freitag seine Schatten voraus, sagte Aktienstratege Amato. Traditionell gäben die Kurse in der Woche zuvor nach, um unmittelbar vor dem Verfallstermin anzuziehen. Am Freitag der neuen Woche verfallen an den Terminbörsen Index-Futures sowie Aktien- und Index-Optionen.

Neben dem Verfallstermin dürfte auch die Umstellung der Dax-Gewichtung auf den Streubesitz in der kommenden Woche Einfluss auf das Marktgeschehen haben, sagten Händler. Eine vorläufige Rangliste der Deutschen Börse wird am Mittwochabend nach Börsenschluss erwartet. Die endgültigen Daten für die Umstellung will die Börse dann am Freitag nach Handelsende veröffentlichen. "Da könnte es gegen Handelsschluss noch zu Anpassungen an den Free-Float kommen", sagte ein Börsianer. Nach Berechnungen der Privatbank Trinkaus & Burkhardt werden die Deutsche Bank, Siemens und E.ON im Dax stark an Gewichtung zu legen, während die Münchner Rück, die Deutsche Telekom und BMW zu den Verlieren gehören werden. Die Umstellung zwingt institutionelle Anleger zur Anpassung ihrer Portfolios.

Auch vor dem Monats- und Quartalsende in der Folgewoche sind Abgaben zu erwarten. Das ist ein Bilanzstichtag für Fonds, die versuchen werden, zu diesem Stichtag ihre Portfolios aufzuräumen. Dass dann aber eine Trendumkehr folgen sollte, begründen Marktteilnehmer mit dem wachsenden Pessimismus. "Wenn die letzten Optimisten zu Pessimisten geworden sind, ist der Boden nahe", sagte ein Händler. Denn die schlechte Stimmung an den Märkten passe immer weniger zu den fundamentalen Faktoren. Welche Lücke zwischen der tatsächlichen Lage und der Stimmung inzwischen entstanden ist, zeige die Entwicklung seit Jahresbeginn: Die Kursverluste liegen im prozentual zweistelligen Bereich, obwohl sich das fundamentale Umfeld für Aktien deutlich verbessert hat. So zeigt die Konjunktur nicht mehr, wie noch zum Jahresbeginn befürchtet, weiter abwärts, sondern hat sich erholen können.

Anstehende Daten in der kommenden Woche

Weitere Impulse für den Verlauf könnten am Dienstag und Donnerstag anstehende Konjunkturdaten aus den USA liefern, sagten Händler. So werden am Dienstag die Verbraucherpreise für Mai erwartet. Am Donnerstag stehen unter anderem die Frühindikatoren für Mai, der Konjunktur-Index der Philadelphia Fed für Juni sowie die Leistungsbilanz der USA für das erste Quartal an.
Für Anleger könnte die Hauptversammlung der Lufthansa am Mittwoch in Köln interessant werden. Firmen-Chef Jürgen Weber hatte im April auf der Bilanzpressekonferenz des Unternehmens gesagt, dass Angaben zum Geschäftsausblick bei der Aktionärsversammlung im Juni gemacht werden würden. Jeder Kommentar vor diesem Termin sei reine Spekulation, sagte Weber. Nach Prognosen der Investmentbank WestLB Panmure liegt der operative Gewinn bei 435 Millionen Euro in diesem Jahr.

Die Aktien der Deutschen Telekom, die am Freitag zum ersten Mal unter die psychologisch wichtige Marke bei zehn Euro gefallen waren, sehen Händler in der kommenden Woche in einer Handelsspanne zwischen 9,20 und 10,50 Euro. "Unter zehn Euro sollte der Verkaufsdruck etwas nachlassen", sagte Christian Schmidt, Aktienhändler bei der Helaba.

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