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Verfassung & Moral

Gegen unternehmerisches Fehlverhalten versucht der Staat mit immer neuen Gesetzen vorzugehen. Staatdessen wäre es besser, wenn sich Firmen eine Art Verfassung geben müssten, die moralisches Verhalten vorschreibt.

Enron, Tyco, Analysten-Fehlverhalten, Fondsskandale - die Liste der Vergehen oder der vermeintlichen Vergehen von Unternehmen in Amerika und anderswo ist lang. Entsprechend erschüttert ist das Vertrauen der investierenden Öffentlichkeit in das moralische Auftreten von Firmen und das saubere Funktionieren von Märkten. Gesetzgeber, Aufseher und Strafverfolger agieren mit immer neuen Verfahren und Verordnungen gegen den Missbrauch von Amt und Marktposition. Ihre punktuellen Erfolge werden wie kleine Siege gegen die Unmoral gefeiert.

Die entscheidende Frage aber lautet: Wie lange halten diese Siege? Können der Gesetzgeber und seine Organe dieses Rennen gegen korporatives Fehlverhalten überhaupt gewinnen? Langfristig sicherlich nicht. Die Situation von Spitzer & Co ist vergleichbar mit jener der Bankenaufseher in den neunziger Jahren. Damals sorgten vor allem derivative Finanzmarktprodukte für eine solch schnelle Veränderung der Bankindustrie, dass Aufseher es aufgeben mussten, jedes Detail zu regulieren. Sie entschlossen sich zu einem Paradigmenwechsel in ihrer Aufsichtsphilosophie. Sie forderten fortan von den Banken Systeme für die Risikoüberwachung.

Eine ähnliche Ordnung könnte sich die Welt nun mit Blick auf die Unternehmensführung geben. Geregelt würde nicht mehr jedes Detail von Bilanzierung und anderen Fragen. Stattdessen müssten sich Firmen eine Art Verfassung geben, die das Verhalten des Managements grundsätzlich regelt und Fehltritte mit Sanktionen belegt. Nur so wird sich das Rennen um Recht und unternehmerischer Moral gewinnen lassen.

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