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Verfolger-Trio greift „Wölfe“ an

Das Verfolger-Trio FC Schalke 04, VfB Stuttgart und FC Bayern München rüstet zum Angriff auf den VfL Wolfsburg, und beim Spitzenreiter scheint nach dem 0:4-Debakel in Nürnberg der Glaube an die eigene Stärke erschüttert.

dpa DÜSSELDORF. Das Verfolger-Trio FC Schalke 04, VfB Stuttgart und FC Bayern München rüstet zum Angriff auf den VfL Wolfsburg, und beim Spitzenreiter scheint nach dem 0:4-Debakel in Nürnberg der Glaube an die eigene Stärke erschüttert.

Pablo Thiam legte vor dem Spitzenspiel des 13. Spieltags in der Fußball-Bundesliga gegen den Tabellen-Dritten Stuttgart in einer nüchternen Analyse den Finger in die Wunde. "Wir haben etwas die Ideallinie verlassen", räumte der VfL-Routinier im "Kicker"-Interview ein. "Das Selbstvertrauen, das die Bayern mit den Titeln gewonnen haben, haben wir noch nicht."

Die gute Stimmung habe sich "auf irgendeine Weise gedreht", meinte Thiam, der die größte Gefahr darin sieht, "dass einer im Erfolg zum Solisten wird" und auf Kosten des Teams nur noch versucht, selbst gut auszusehen. Mit der Anspielung auf den nach der Roten Karte in Nürnberg für zwei Spiele gesperrten Argentinier Andres D'Alessandro verband Thiam die Hoffnung, dass man sich im Heimspiel gegen den VfB wieder als Einheit präsentiert: "Wir können den Spielbetrieb nicht einstellen. Jetzt kommt die Chance für andere. Es hat ja auch ohne Andres funktioniert."

VfL-Coach Erik Gerets bezeichnete die Partie gegen den nur einen Punkt schlechteren VfB als "Schlüsselspiel". "Wir können beweisen, dass wir zu Recht da oben stehen", meinte der Belgier. Sein Kollege Matthias Sammer will dagegen die glänzende VfB-Serie von zuletzt sieben Siegen gegen die "Wölfe" ausbauen und fordert von seinen Profis daher, das 0:3 beim FC Bayern im Pokal schnell abzuhaken. "Das war unser erstes echtes Scheißspiel", meinte Sammer.

Auch Schalker und Bayern sind zur Macht-Übernahme bereit. Die Münchner wähnen sich nach der Sieg gegen Hannover 96 (3:0) und der Gala gegen Stuttgart endlich in der richtigen Spur. Einige Bayern - Profis können sich gar nicht daran erinnern, letztmalig auf Platz eins gestanden zu haben. Das liegt bereits 46 Spieltage zurück und war am 24. Mai 2003, als die Münchner den 18. Meistertitel feierten. "Wir waren seit Ewigkeiten nicht mehr an der Spitze. Jetzt wollen wir eine Serie starten, um Weihnachten ganz oben zu stehen", versprach Robert Kovac vollmundig vor der Partie beim VfL Bochum am Sonntag. Michael Ballack warnte allerdings vor dem üblichen Schlendrian, der nach guten Leistungen allzu häufig Einzug hielt: "Es darf nicht immer nach zwei guten Spielen ein schlechtes folgen."

Zusätzliche Warnung sollte das 0:1 in Bochum aus der Vorsaison sein, das VfL-Trainer Peter Neururer gern wiederholen würde. Um seine Profis auf das Duell gegen den Rekordmeister einzustimmen, bediente sich Neururer mal wieder eines Psycho-Tricks. Seit einer Woche versucht er, seine Profis stark zu reden, und organisierte ein gemeinsames Weißwurst-Essen. Dabei flimmerte Peter Madsens Siegtor vom 1:0 im Februar ständig über die Mattscheibe. Rückbesinnung als Motivationshilfe. Ob es wirkt, werden 32 645 Fans im ausverkauften Ruhrstadion erleben. Der Ex-Münchner Zvjezdan Misimovic glaubt daran: "Wir haben gesehen, wie man die Bayern schlägt."

Den in Hamburg noch knapp verpassten Sprung an die Spitze könnte der unter Trainer Ralf Rangnick sechs Mal hintereinander erfolgreiche FC Schalke jetzt nachholen. Die Chancen stehen gut, denn Hertha BSC hat seit 1970 nicht mehr auf Schalke gewonnen. Zwar ist der Einsatz des angeschlagenen Mladen Krstajic noch immer ungewiss, doch Rangnick sieht keinen Grund, warum die Siegesserie reißen sollte. "Wir sind zurzeit in der Lage, unser Spiel durchzusetzen. Es versteht sich von selbst, dass wir auch gegen Hertha gewinnen wollen."

Derweil geht es am anderen Ende der Tabelle ums "Überleben". Bei seinem Heimdebüt trifft Borussia Mönchengladbachs neuer Coach Dick Advocaat innerhalb einer Woche zum zweiten Mal auf einen Aufsteiger. Nach dem 1:1 in Mainz will sich die Borussia mit einem "Dreier" über den auswärts starken 1. FC Nürnberg Luft verschaffen. Noch mehr unter Druck steht Trainer Juri Schlünz beim Schlusslicht Hansa Rostock vor dem Nordderby gegen den HSV. Sollte auch das siebte Saison-Heimspiel verloren gehen, wäre die Schlünz-Ära an der Ostsee wohl beendet.

Gedanken um die Zukunft machen sich auch die Kollegen Kurt Jara (1. FC Kaiserslautern) und Bert van Marwijk (Borussia Dortmund). Nach dem Spiel auf dem Betzenberg, den folgenden Mitglieder- und Aktionärsversammlungen will sich der BVB-Coach mit der Clubführung zusammensetzen und die weiteren Perspektiven ausloten. "Ich wusste, dass das Schiff Motorschaden hatte, als ich hier unterschrieben habe. Aber dass er so groß ist, wusste ich nicht."

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