Vergabepraxis bei info.Domain
Zwist um neue Domainnamen

Die Vergabe der neuen Internet-Adressen (Domains) mit der Endung .info stößt international auf immer schärfere Kritik. Wie der britische Informationsdienst ZD-Net berichtet, sind zahlreiche begehrte Adressen nahezu unter Ausschluss der Öffentlichkeit vergeben worden. Dazu gehörten Domains wie business.info, bank.info und newyork.info.

ddp MÜNCHEN. Zum Zwist führt ausgerechnet ein Vergabe-Verfahren, das ursprünglich eine gerechtere Verteilung der raren Adressen ermöglichen sollte. Bislang wurden Internet-Adressen nach der Anmeldereihenfolge vergeben. Dieses System öffnete so genannten Domain-Grabbern Tür und Tor, die zahlreiche Namen zu Spekulationszwecken registrierten. Bei der Vergabe der .info-Domains soll ein zweistufiges Vergabeverfahren vor derartigem Missbrauch schützen: In der "Sunrise" genannten Phase (bis 27. August) dürfen nur die Inhaber von Markenrechten Domains beantragen. Erst einige Zeit danach (ab 12. September) darf die breite Öffentlichkeit Anträge auf die neuen Internet-Adressen stellen.

Allerdings legten viele Antragsteller ihre vermeintlichen Markenrechte so weit aus, dass schon jetzt kaum noch sinnvolle Begriffe frei sind, zitiert der Online-Dienst einen englischen Jungunternehmer. Er wollte sich ursprünglich die Domain science.info sichern, musste aber feststellen, dass ihm der Chemie-Gigant Dupont zuvorkam. Die Domain sex.info wurde an einen Privatmann vergeben, der lediglich das Markenrecht an einem Logo hat, das das Wort "sex" enthält. Begehrt - und bereits vergeben - ist auch die Domain gott.info, für die ein Schweizer den Zuschlag erhielt, obwohl der Name unter markenrechtlichen Gesichtspunkten als problematisch gelten dürfte.

Zwei Wochen nach Ablauf der Sunrise-Phase wurde zudem bekannt, dass zahlreiche Domain-Interessenten bei ihren angeblichen Markenrechten falsche Angaben gemacht haben. So sicherte sich etwa die englische Firma World Informations Services mit sports.info, business.info, money.info, finance.info und wallstreet.info gewöhnliche Begriffe aus dem Sprachgebrauch, die sie zudem in mindestens einem Fall durch falsche Behauptungen erschlichen haben soll, wie ZD-Net schreibt.

Auch in Deutschland ist das Problem bekannt. "Wir haben zahlreiche Registrierungen, bei denen Markeneintragungen aus Ziffernfolgen wie "12345" bestehen", sagte Eric Schätzlein, Leiter Domain-Services bei der deutschen Registrierungsstelle Schlund + Partner. Trotzdem verteidigt er das Verfahren: "Wir wollen eine günstige Domain einführen, die sich jeder leisten kann. Eine strenge Prüfung der Anmeldungen würde automatisch zu einem komplizierten und teuren Verfahren führen", bekräftigte Schätzlein.

Auch den Antragstellern will Schätzlein nichts vorwerfen: "Sie haben die Lücke im System gefunden und genutzt. Wer allerdings mit falschen oder unhaltbaren Angaben eine Domain erhalten hat, geht selbst das Risiko ein, diese Domain wieder zu verlieren." Schätzlein rät allen Kunden, die sich bei der Domainvergabe benachteiligt fühlen, einen Antrag auf Löschung von unliebsamen Domains bei der World Intellectual Property Organization (Wipo) zu stellen. "Das kann jeder machen, egal ob er selbst Rechte an dem Namen hat oder nicht." Auf diese Weise sollen die zu Unrecht registrierten Namen schnell wieder freigegeben werden.

Allerdings: Wer bei der Wipo (www.wipo.org) einen Antrag auf Löschung stellt, muss unabhängig vom Erfolg zunächst eine Bearbeitungsgebühr von 50 US-Dollar (rund 115 Mark) bezahlen. Angesichts der unbefriedigenden Situation will Schlund + Partner aber daran mitarbeiten, ein vereinfachtes Verfahren zu finden, das wenigstens den gröbsten Missbrauch abstellt.

Die Vergabe der neuen Domains geriet in den vergangenen Tagen bereits mehrfach in die Kritik. In den USA haben schon eine Reihe von Unternehmen eine Sammelklage eingereicht. Sie sehen in dem Verfahren eine «illegale Lotterie». Erheben mehrere Antragsteller begründeten Anspruch auf eine Domain, sieht das Verfahren eine Los-Entscheidung vor. Der Lotterie-Charakter wird nach Ansicht der Kläger unterstrichen, in dem die Antragsteller ihre Chancen erhöhen können, indem sie mehrere «Lose» (Anträge auf einen Domainnamen) erwerben. Für jeden Antrag wird zudem unabhängig von einer erfolgreichen Zuteilung, eine fixe Anmeldegebühr fällig.

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