Vergangenes Jahr kamen 250 000 Besucher
Pappnase für Jazzfans

Düsseldorf in kollektiven Taumel zu versetzen ist nicht ganz so schwer - schließlich verwandelt der Rheinländer so ziemlich alles in eine Karnevalsveranstaltung.

"Wetten, dass . . ." ruft zur Stadtwette? Helau-Atmosphäre auf der Kö, Hunderttausende reisen an mit Bierbänken und Altfässern. Rhein-Ruhr verliert die Olympia- Vorausscheidung? Egal, Altbier-Party in der Altstadt. Halloween? Raus mit den Kostümen! Vom 27. bis 29. Juni wird die NRW-Landeshauptstadt ebenfalls Karneval feiern: Jazz-Karneval. Während der elften Jazz-Rally gibt es 81 Konzerte auf 32 Bühnen. Vergangenes Jahr kamen 250 000 Besucher - das größte Jazz-Fest der Republik.

Am publikumsträchtigsten dürfte diesmal wohl der Auftritt des Katja Riemann Oktetts am Freitag um 18 Uhr werden. Ja, die Riemann singt auch noch. "Musik ist flüssiges Glück", orakelt sie. Immerhin: Sie machte schon vor ihrer Schauspieler-Karriere Musik - und erntet jetzt gute Kritiken: "Eine phantastische Stimme", urteilte die sonst gerne lästernde "Tageszeitung". Von Bebop bis Pop, von Chanson bis zur Eigenkomposition soll das Spektrum reichen. Im Anschluss an La Riemann gastiert Jean-Luc Ponty im Konzertzelt auf dem Burgplatz. Wie kaum ein anderer hat er die Violine im Jazz populär gemacht, sein Fusion-Sound prägte die 70er in Frankreich.

Mit fast 60 wollte er mit der Jahrtausendwende aber noch einmal neu beginnen. Ergebnis: Ein Album, das junge Pariser Club-Gänger begeistert. "Jeder Song ist ein Abenteuer", lobte dann ein Jahr später die "Jazz Review" das Live-Album des Franzosen.

Die Puristen unter den Besuchern der Jazz-Rally haben aber an diesem Tag, dem 27. Juni, eine qualvolle Wahl zu treffen: Ponty oder Aziza Mustafa Zadeh im spektakulären Museum K21. Die aserbeidschanische Pianistin zählt zu den Superstars des Jazz. "Sie ist ein Genie, als Komponistin wie als Musikerin. Ihre Musik sagt mir sogar noch mehr als der normale Jazz, denn was ich bei ihr höre, ist ihre eigene Kultur", schwärmt Jazz-Ikone Al DiMeola.

Spätestens nach diesem Eröffnungsfreitag dürfte Düsseldorf dann einen Jazz-Karneval feiern, bei dem Kamelle und Prinzengarde unnötig sind, um Stimmung zu machen. Gerüchten zufolge sollen sogar Kölner anreisen.

Thomas Knüwer
Thomas Knüwer
Handelsblatt / Reporter
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%