Vergebliche Rettungsversuche
Schlappe für Bayerns Politik

Der Zusammenbruch des Grundig-Konzerns ist auch eine Niederlage für den bayerischen Wirtschaftsminister Otto Wiesheu. Der CSU-Politiker hatte bis zuletzt um die Rettung der Nürnberger Firma gerungen und alle Hebel in Bewegung gesetzt - ohne Erfolg.

cbu MÜNCHEN. "Es hat sich gezeigt, dass sich die Probleme verlängern, wenn Sanierungsschritte nicht rechtzeitig gemacht werden", sagte Wiesheu am Montag dem Handelsblatt. Als 1997 der niederländische Philips-Konzern bei den Nürnbergern über Nacht ausstieg, organisierte der Politiker Geld und ein Bankenkonsortium, das den Konzern übernahm. Mit dabei waren damals auch die staatliche Förderbank LfA und die halbstaatliche Bayerische Landesbank. Ein Sanierungsprogramm wurde ausgearbeitet, aber nichts geschah. "Ich bin ja nicht der Oberaufseher bei Grundig", meint Wiesheu jetzt resigniert.

2000 unterstützte Wiesheu den Mittelständler Anton Kathrein, einen Antennen-Hersteller aus Rosenheim, der die Mehrheit bei Grundig übernahm. Doch Kathrein war nicht der erhoffte finanzstarke Partner für die angeschlagenen Franken. Als sich die Lage bei Grundig im vergangenen Jahr erneut zuspitzte, sprang Wiesheu mit einer Landesbürgschaft über etwa 40 Mill. Euro in die Bresche. Noch vor einigen Wochen zeigte sich der Wirtschaftsminister zuversichtlich, dass ein Partner bei Grundig einsteigt.

Wiesheu ist der "Feuerwehrmann" von Ministerpräsident Edmund Stoiber, wenn Unternehmen aus dem Freistaat in massive Schwierigkeiten geraten. Nicht nur bei Grundig, auch bei der privaten Schmidt-Bank, beim Stahlwerk Maxhütte oder beim Flugzeugbauer Fairchild Dornier ist Wiesheu zur Stelle und versucht zu retten, was zu retten ist. Dabei hat der konservative Politiker eher das Wohl des Standorts Bayern im Auge als die strengen Regeln der Marktwirtschaft. Das Privatbankhaus Schmidt-Bank aus Hof beispielsweise wurde vor zwei Jahren vor dem sicheren Aus gerettet - und macht jetzt wieder den Sparkassen Konkurrenz. Auch die Maxhütte wurde lange am Leben erhalten - und musste letztlich dann doch dichtmachen. Genauso ist es jetzt auch Grundig ergangen.

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