Vergeltung gegen Hamas
Israelische Panzer in Altstadt von Nablus

Zwei Tage nach dem Bombenanschlag auf die Hebräische Universität in Jerusalem hat Israel mit Vergeltungsaktionen gegen die radikale Hamas-Bewegung begonnen. Armee-Einheiten stießen mit mehr als 100 Panzern und gepanzerten Fahrzeugen am Freitag erstmals wieder in die historische Altstadt von Nablus im Westjordanland vor.

GAZA/NABLUS/RAMALLAH. Bei dem Einmarsch wurden nach palästinensischen Angaben zwei bewaffnete Männer getötet und fünf weitere verletzt. Drei weitere Palästinenser, darunter ein neunjähriges Mädchen, wurden im Gazastreifen sowie in einem Dorf bei Nablus erschossen. Aus Furcht vor weiteren palästinensischen Selbstmordanschlägen wurden die israelischen Sicherheitskräfte erneut in höchste Alarmbereitschaft versetzt.

Palästinenserpräsident Jassir Arafat verurteilte die Militäraktion. Es bahne sich ein weiteres Massaker an, sagte Arafat in Ramallah. Er forderte erneut internationale Schutztruppen. Falls dies nicht möglich sei, sollten so schnell wie möglich Beobachter geschickt werden. Kommunalminister Sajeb Erekat bat US-Außenminister Colin Powell, die für Montag geplanten Gespräche mit einer palästinensischen Delegation um zwei bis drei Tage zu verschieben.

Nach der Festnahme von 19 mutmaßlich militanten Palästinensern in Nablus soll die Armee-Operation nach Angaben aus Militärkreisen mehrere Tage dauern. "Nablus ist das Zentrum der Aktivitäten von Terrorgruppen", hieß es in einer Erklärung der Armee. Ziel sei es, militante Palästinenser festzunehmen und Werkstätten zur Herstellung von Bomben zu zerstören.

Die Hamas-Bewegung hatte sich zu dem Bombenanschlag auf die Cafeteria der Hebräischen Universität von Jerusalem bekannt. Dabei waren am Mittwoch sieben Studenten und Universitätsmitarbeiter getötet und mehr als 80 verletzt worden. In die Ermittlungen hat sich jetzt auch das US-Bundeskriminalamt FBI eingeschaltet. Vier der sieben Getöten hatten einen US-amerikanischen Pass.

Der Gouverneur von Nablus, Machmud al Allul, sagte, es sei "ein Verbrechen, die gesamte Bevölkerung wegen ein paar Männern zu bestrafen". Israelische Armee-Einheiten hatten zwar nach der Wiederbesetzung von Nablus vor 44 Tagen eine Ausgangssperre über die größte Stadt im Westjordanland verhängt, waren aber nicht bis in die historische Altstadt vorgerückt. In den engen Gassen hatte es im April Schusswechsel zwischen Palästinensern und israelischen Soldaten gegeben. Dabei waren nach palästinensischen Angaben 73 Palästinenser getötet worden.

Im Rahmen einer neuen Strategie gegen palästinensische Selbstmordattentäter zerstörte die israelische Armee am Freitag in Tulkarem und Hebron die Häuser von Familienangehörigen zweier Selbstmordattentäter. Auch im Gazastreifen wurden drei Häuser der Familien von Attentätern eingerissen. Zugleich sollen nach Angaben des israelischen Armee-Rundfunks zwei Brüder von Attentätern in den Gazastreifen deportiert werden.

Nach Angaben aus palästinensischen Sicherheitskreisen drangen am Freitag acht israelische Panzer und zwei Planierraupen in die palästinensische Stadt Rafah im südlichen Gazastreifen vor. Bei anschließenden Schießereien sei ein 20-jähriger Palästinenser getötet worden. Zuvor war bereits bei einem anderen Schusswechsel nahe der jüdischen Siedlung Nizer Hasani im Gazastreifen ein neunjähriges Mädchen von israelischen Soldaten erschossen worden. Das Kind habe nahe seines Hauses gestanden, als es von einem Kopfschuss getötet worden sei, teilten Krankenhausärzte mit.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%