Vergeltungsaktion
Israelische Armee durchkämmt Bethlehem

Israelische Soldaten haben einen Tag nach dem Anschlag auf einen Bus in Jerusalem am Freitagmorgen Bethlehem auf der Suche nach militanten Palästinensern durchkämmt.

Reuters BETHLEHEM. Die Armee äußerte sich zunächst nicht zu dem Einsatz, der jedoch in israelischen Sicherheitkreisen bestätigt wurde. In der Nacht sprengten Soldaten in El Kurara im Gaza-Streifen Augenzeugen zufolge das Haus eines Mitglieds der radikalen Palästinenser-Organisation Hamas. Die Hamas hatte sich zu dem Anschlag bekannt, bei dem der Attentäter und elf Menschen getötet wurden. Die Hamas hat weitere Anschläge angekündigt.

Die Soldaten hätten die Geburtskirche in Bethlehem abgeriegelt, berichteten israelische Radiosender. So solle verhindert werden, dass sich Palästinenser wie im April während der Besetzung der Stadt in der Kirche verschanzen. Bislang seien sieben militante Palästinenser festgenommen worden, berichtete das israelische Armee-Radio.

Bethlehem sei ein sicherer Zufluchtsort für Terroristen geworden, hatten der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon und Verteidigungsminister Schaul Mofas nach einem Treffen am Donnerstagabend mitgeteilt. Der Attentäter vom Donnerstag soll aus der Umgebung Bethlehems stammen. Die Stadt liegt nahe bei Jerusalem.

Scharon und Mofas erklärten eine Vereinbarung von August für ungültig, derzufolge israelische Truppen Bethlehem verlassen hatten und die Stadt wieder unter palästinensische Verwaltung gekommen war. Über drei palästinensische Städte in der Umgebung Bethlehems - Hussan, Beitin und El Chader - sei eine Ausgangssperre verhängt worden. Der Selbstmordattentäter soll aus El Chader stammen. Dort mussten die Anwohner Augenzeugen zufolge auf Anweisung der Armee ihre Häuser für mehrere Stunden verlassen.

Mit rund 40 Panzern rückte die Armee Augenzeugen zufolge in El Kurara ein. Kampfhubschrauber seien über der Stadt gekreist. Die Soldaten umstellten den Berichten zufolge die Häuser weiterer Hamas-Mitglieder. Militärkreise bestätigten einen Einsatz im Gaza-Streifen, nannten aber keine Einzelheiten.

Scharon hatte nach dem jüngsten Anschlag die Einberufung zusätzlicher Reservisten für eine umfassende militärische Aktion ausgeschlossen. Er wies die Armee jedoch an, gezielte Operation gegen Extremisten auszuführen.

Seit Beginn des Palästinenser-Aufstandes im September 2000 gegen die israelische Besatzung wurden bei Anschlägen und Militäraktionen mindestens 1674 Palästinenser und 650 Israelis getötet.

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