Vergleichsangebot abgelehnt
Aktionär verlangt Schadensersatz von Infomatec

Im Insolvenzverfahren der Augsburger Computerfirma Infomatec AG kommen auf das Unternehmen möglicherweise auch noch Schadensersatzforderungen geprellter Aktionäre zu. Vor der 2. Zivilkammer des Augsburger Landgerichts begann am Freitag der erste Prozess eines 48-jährigen Kleinaktionärs aus Wörth in Niederbayern, der sich beim Aktienkauf um rund 12.000 Mark Erlöse gebracht sieht.

ddp/vwd AUGSBURG. Schuld daran sind nach seiner Darstellung falsche Ad-hoc-Mitteilungen des Unternehmens, deren Korrektur später den Kurs der Aktie von mehr als 50 auf zeitweise unter einen Euro abstürzen ließ. Weitere ähnliche Verfahren sind nach Aussage des Gerichts anhängig.

Der 48-Jährige hatte im April und Mai 2000 insgesamt 300 Aktien der Neue-Markt-Firma zu verschiedenen Börsenkursen für 7.800 Euro, also zum Durchschnittspreis von 26 Euro gekauft. Im September des Jahres waren seine Aktien nach mehreren Nachrichten aus dem Unternehmen, mit denen frühere Ad-hoc-Mitteilungen korrigiert werden mussten, nur noch 1.590 Euro wert. Hätte er gewusst, dass die Ad-hoc-Mitteilungen falsch waren, dann hätte er die Aktien nicht gekauft. Diese Mitteilungen über die wirtschaftliche Lage des Unternehmens seien bewusst und vorsätzlich falsch gewesen, argumentiert der Kläger.

Vorsitzender Richter Hans-Peter Hirmer sah eine Haftung der Beklagten in Verbindung mit dem Aktiengesetz oder dem Börsengesetz als problematisch an. Eher komme eine sittenwidrige Schädigung des Klägers wegen falscher Auskünfte in Frage. Dafür müsse allerdings lückenlos nachgewiesen werden, dass die Beklagten für diese falschen Angaben verantwortlich seien, die den Kaufentschluss des Klägers ursächlich ausgelöst hätten. Die Ad-hoc-Mitteilungen waren sieben Monate bis eineinhalb Jahre vor dem Aktienkauf herausgegeben worden.

Die Anwälte der beschuldigten ehemaligen Infomatec-Vorstände Gerhard Harlos und Alexander Häfele beriefen sich auf einen unzureichenden Ursachenzusammenhang zwischen den Ad-hoc-Mitteilungen und dem Aktienkauf. Bezweifelt wurde auch der Schädigungswille der Beklagten. Hätten sie absichtlich falsche Angaben gemacht, dann hätten sie damit sich und ihr Unternehmen selbst geschädigt. Sie vertraten auch die Auffassung, dass die Vorstände die Ad-hoc-Mitteilungen nicht selbst verfasst und stattdessen einem Mitarbeiter den konkreten Auftrag gegeben hätten, die Mitteilungen auf Richtigkeit zu überprüfen. Dazu merkte allerdings der Richter an, es sei lebensfremd anzunehmen, dass die Vorstände von den größten Aufträgen ihres Unternehmens, von denen in den Mitteilungen die Rede war, nichts gewusst haben sollten.

Vertrag über weitere Bestellungen war unwirksam

Dass sie falsch waren, ist nach Ansicht des Richters indes offensichtlich: Meldungen über den Verkauf von Surf-Stations erwiesen sich als entweder übertrieben oder voreilig. Einmal wurden statt 100.000 nur 14.000 Stück verkauft, einmal handelte es sich um keinen Auftrag, sondern nur um eine Rahmenvereinbarung. Der Vertrag über eine weitere Bestellung stellte sich gar als unwirksam heraus, so dass laut Infomatec keine weiteren Umsätze zu erwarten waren.

Ein Vergleichsangebot wurde von den Infomatec-Anwälten mit der Begründung abgelehnt, dass es «wirtschaftlich nicht machbar» sei. Die Beklagten haben nach Feststellung des Richters im Zivil- und im gleichzeitig laufenden Strafverfahren unterschiedliche Angaben gemacht. Er hielt es daher für sinnvoll, zunächst den Ausgang des Strafverfahrens abzuwarten. Am 29. Juni soll in dem Zivilprozess das Urteil verkündet werden.

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