Vergleichsversuch gescheitert
Milliarden-Versicherungsstreit ums WTC

Elf Monate nach der Zerstörung des World Trade Center liefern sich 20 Versicherungen unter Führung der schweizerischen Versicherung Swiss Re und der Hauptmieter des Riesenkomplexes, Larry A. Silverstein, noch immer erbitterte Schlachten. Eine gütliche Lösung zeichnet sich nicht ab.

HB/dpa NEW YORK. Stattdessen wird es wahrscheinlich im November zum Prozess in New York kommen. Eine Jury wird dann entscheiden, wie viel Silverstein für das WTC bekommen soll.

Ein Vergleichsversuch in dieser Woche scheint gescheitert, da Silverstein und die Versicherungen offensichtlich noch völlig unterschiedliche Vorstellungen von dem Wert des World Trade Center und der Silverstein zustehenden Summe haben.

Silverstein hatte das gesamte WTC mit seinen beiden Zwillings- Wolkenkratzern und den dazu gehörigen umliegenden Bürogebäuden von der Besitzerin, der bundesstaatlichen Behörde Port Authority, angemietet. Mit dem über Jahrzehnte laufenden Mietvertrag war Silverstein auch verpflichtet, das WTC zu versichern. Die Büroräume und die Geschäfte in dem unterirdischen Geschäftskomplex hatte er an hunderte von Unternehmen weiter vermietet.

Silverstein, der nur eine Versicherung von 3,5 Mrd. Dollar für das World Trade Center mit der Versicherungsgruppe hatte, will nun die doppelte Summe haben. Sein Argument: Es handelte sich um zwei separate Ereignisse, da die Terroristen die Wolkenkratzer mit zwei Flugzeugen zerstört hatten. Deshalb stünden ihm 7 Mrd. Dollar (7,2 Mrd. Euro) zu.

Silverstein hat den Wert der zerstörten Gebäude auf 5,7 Mrd. Dollar beziffert. Hinzu kommen weitere 2,5 Mrd. Dollar für Geschäftsausfälle, so dass er den Gesamtwert der Verluste auf 8,2 Mrd. Dollar schätzt. Diese Zahlen hat die "New York Times" genannt.

Dagegen hat die Swiss Re ganz andere Vorstellungen von dem Wert des World Trade Center. Silverstein "könne unter keinerlei Umständen jemals mehr als 3,5 Mrd. Dollar an Versicherungszahlungen erhalten", erklärte die Versicherung. Der unabhängige Immobilienschätzer Pearson Partners habe den tatsächlichen Barwert des Komplexes auf 2,156 Mrd. Dollar geschätzt.

Ein Wiederaufbau werde acht bis neun Jahre dauern, gleich wie und durch wen aufgebaut werde. Der Ersatzwert für die Immobilie nähere sich dem Versicherungspolicen-Limit von 3,5 Mrd. Dollar. Unter Inflationsberücksichtigung läuft dies nach Ansicht der Versicherung gegenwärtig auf 2,4 Mrd. Dollar hinaus. Diese Gelder wären aber nicht alle für den Wiederaufbau verfügbar, da die Geschäftsunterbrechungs-Leistungen aus der gleichen Versicherungspolice bezahlt werden müssten, betonte die Swiss Re.

"Silverstein hatte uns erzählt, die Immobilie sei einschließlich Geschäftsunterbrechungs-Versicherung 5 Mrd. Dollar wert. Er hatte sich jedoch geweigert, den Preis für diese Summe zu bezahlen und kaufte nur eine Deckung von 3,5 Mrd. Dollar", erklärte Jacques Dubois, der Chef der Swiss Re America Holding Company. Silverstein wolle den Fehler jetzt mit neuen Werten wieder ausbügeln.

Wie weit beide Seiten noch aus einander liegen, zeigen die Vergleichsvorschläge. Swiss Re hat nach Angaben der "New York Times" vom Freitag 1,8 Mrd. Dollar offeriert und Silverstein wollte 5,7 Mrd. Dollar haben.

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