Vergnügungstag für Muslime
Gebetsmatten unter der Achterbahn

Es ist vielleicht noch nicht Samuel Huntingtons "Kampf der Kulturen", aber Großbritanniens "erster nationaler Spaßtag für Muslime" hat doch schon einige Verwirrung angerichtet. Die Debatte tobt - auf beiden Seiten der strikten religiösen Trennlinie, die am 17. September im britischen Vergnügungspark Alton Towers gezogen werden soll.

LONDON. Islamic Leisure Ltd., "Freizeitspezialist für Großbritanniens Muslime", hat den Park mitsamt allen Attraktionen für den "Muslims only Fun Day" gemietet, damit Muslims endlich einmal Spaß haben können, ohne mit ihren religiösen Vorschriften in Konflikt zu kommen. Da das britische Freizeitangebot für Muslime völlig ungeeignet ist - polyphone Musik, Alkohol, Glücksspiele, leicht bekleidete Damen und Schlimmeres - soll der Vergnügungspark wenigsten für einen Sonntag im September den Regeln des Propheten unterworfen sein.

Es wird kein Alkohol ausgeschenkt, die Burger werden unter Beachtung aller Ritualregeln der Fleischverarbeitung hergestellt, Gebetsmatten werden ausgelegt und "Brüder und Schwestern" werden Attraktionen wie "Rita - the Queen of Speed" getrennt besteigen, um sich in 2.5 Sekunden von 0 auf 100 Stundenkilometer beschleunigen zu lassen.

Womit nun Amanda Morris und Scott Lee nicht gerechnet haben. Hunderte von überraschten nicht-muslimischen Briten wurden bereits abgewiesen, als sie für den besagten Sonntag buchen wollten. Aber Amanda und Scott waren schon vorher da: Sie wollen an diesem Wochenende in Alton Towers heiraten, haben sich und ihre Hochzeitsgäste in das Hotel des Parks eingebucht und wollten ihr Eheleben mit einer gemeinsamen Fahrt in der Achterbahn beginnen.

"Ich freue mich seit 18 Monaten auf diesen Tag. Nun heißt es, wir müssen uns verschleiern und können nicht gemeinsam fahren." George Hughes, der für eine Geburtstagsparty buchen wollte, beschwerte sich bei der "SUN": "Was gäbe das für einen Stunk, wenn wir einen Tag nur für Christen hätten." Ein Leserbriefschreiber der "Times" fühlte sich zu Unrecht ausgeschlossen. Es gebe ja wohl genügend "christliche oder sogar atheistische Eltern, die einen Tag ohne Alkohol und Glücksspiele begrüßen würden".

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