Verhältnis zwischen Sparkassen und Landesbank auf dem Tiefpunkt
WestLB bläst Wind ins Gesicht

Neuer Rückschlag für die WestLB - die Bank muss einen zusätzlichen Wertberichtigungsbedarf von bis zu einer halben Mrd. Euro verkraften. Immer fraglicher wird es, ob sie ihre Reformziele bis 2005 erreichen kann. Die Bank muss ihr Geschäftsmodell ändern.

DÜSSELDORF. Der WestLB bläst nach dem jüngsten Wertberichtigungsbedarf der Wind ins Gesicht. Vor allem die Sparkassen, neben dem Land NRW und den Landschaftsverbänden Eigentümer der Bank, sind sauer. "Die Stimmung zwischen der WestLB und den Sparkassen ist unter dem Nullpunkt", hieß es gestern in Sparkassenkreisen. Zuvor hatte die ehemals größte Landesbank bestätigt, dass es einen zusätzlichen Korrekturbedarf gebe.

Wie bereits angekündigt, wolle man "reinen Tisch machen", sagte ein WestLB-Sprecher. Zu Einzelheiten oder der Höhe der notwendigen Wertberichtigungen wollte er sich nicht äußern. Finanzkreise bestätigten allerdings Berichte, dass die Bank einen zusätzlichen Wertberichtigungsbedarf von bis zu einer halben Milliarde Euro habe. Ursache seien Engagements in Großbritannien. Verantwortlich sei die Londoner Investmentsparte der WestLB.

Ursprünglich wollte WestLB-Vorstandschef Jürgen Sengera bei der Bilanzpressekonferenz am Freitag einen Verlust von einer Milliarde Euro bekannt geben; gleichzeitig aber mit einem positiven Geschäftsausblick für den Reformkurs der Bank werben. Stattdessen kommt heute der Aufsichtsrat der WestLB zur Schadensbegrenzung zusammen. Das Gremium muss entscheiden, wie der zusätzliche Wertberichtigungsbedarf verarbeitet wird: durch eine Erhöhung des Verlustes oder die Hebung von Reserven. Anfang März hatte die WestLB bekannt gegeben, sie habe 300 Mill. Euro zur Deckung weiterer Risiken als Puffer zurückgestellt. Vor dem Hintergrund der jüngsten Entwicklung wird immer fraglicher, ob die WestLB ihr Geschäftsmodell wie geplant bis 2005 umsetzen kann; sie hat sich viel vorgenommen:

"Die WestLB hat eine sehr anspruchsvolle Strategie als reine Wholesale Bank", sagt Stefan Best, Direktor der Ratingagentur Standard & Poor?s. "Sie tritt in Geschäftsfeldern wie strukturierten Finanzierungen oder Investmentbanking auf eine starke Konkurrenz und erwägt das volatile Beteiligungsgeschäft zu forcieren."

Bisher konnte die WestLB hier unter anderem auf Grund ihrer Refinanzierungsvorteile punkten. Diese entspringen den Staatsgarantien Gewährträgerhaftung und Anstaltslast. Doch die entfallen am 19. Juli 2005. Sengera strebt für die Zeit nach dem Wegfall der Staatsgarantien ein Rating von AA- an. Gelingen soll dies mit einem ehrgeizigen Kostensenkungsprogramm: Die Eigenkapitalrendite soll von derzeit 6,3 auf 18 % vor Steuern klettern und das Verhältnis von Kosten zu Erträgen von 74 auf 65 % sinken.

Doch im Eigentümerkreis scheinen angesichts der jüngsten Entwicklung die Skeptiker Oberhand zu gewinnen: Am Geschäftsmodell der WestLB werde es deutliche Korrekturen geben müssen, hieß es. Die WestLB werde ihre Ratingziele für die Zeit ohne Staatsgarantien verfehlen. Wegen steigender Refinanzierungskosten werde sich das Institut viele Auslandsaktivitäten schlicht nicht mehr leisten können. Die Düsseldorfer stünden mit einem Rückzug in die Region nicht alleine da: Vergangene Woche hatte bereits die Bayerische Landesbank angekündigt, sich künftig auf Bayern konzentrieren zu wollen.

Keinesfalls kann die WestLB auf eine neue Kapitalspritze hoffen. "Das Thema wird nicht diskutiert", verlautete aus Eigentümerkreisen. Erst 2002 hatten die Eigentümer die Eigenmittel der WestLB um 1,25 Mrd. Euro aufgestockt und die Kernkapitalquote so auf 6,5 % verbessert.

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