Verhältnisse eher wie gemacht für Funborder
Wo der Wind weht

Die Mistral-Surfer setzen auf Muskelkraft statt Wellen: Bei der WM in Cadiz ist es ihnen deshalb zu stürmisch.

CADIZ. Ohrenbetäubend laut ertönt das Horn und versucht, sich gegen den pfeifenden Wind durchzusetzen. Die Surfer, die bei den Weltmeisterschaften in Cadiz nervös auf dieses Zeichen gewartet hatten, schießen los: sie zerren an ihren bunten Segeln, ziehen sie an ihre muskulösen Körper heran, öffnen sie wieder ein wenig, nur um sie sogleich wieder anzuziehen. Pumpen nennt sich diese Art der Fortbewegung bei den Mistral-Surfern und dient dazu, beim Start oder auch bei wenig Wind schnell voran zu kommen.

Wer ans Windsurfen denkt, hat zumeist die Bilder von Robbie Naish vor Augen, wie er durch meterhohe Wellen springt und sich dabei überschlägt. Das sind die so genannten Funboarder. Die Surfer aber, die wie die verschiedenen olympischen Bootsklassen bei der WM in Cadiz antreten durften, sind die Mistral-Surfer. Anders als die Funboarder sind sie seit 1996 olympisch. Auf den ersten Blick sehen sie den Funboardern zwar sehr ähnlich, sind aber vom Material und Fahrverhalten sehr unterschiedlich. "Unser Brett ist viel größer, es hat mehr Volumen und somit auch mehr Auftrieb", sagt die Berliner Mistral-Surferin Romy Kinzl, eine der besten ihrer Klasse in Deutschland. In Cadiz wurde sie 20. "Wir können bei null Windstärken auf dem Brett stehen, ohne unterzugehen, und kommen auch bei wenig Wind voran." Funboarder dagegen gehen erst bei Windstärken ab 10-12 Knoten aufs Wasser.

"Vom Prinzip her ist das Mistral-Surfen dem Segeln sehr ähnlich", sagt Kinzl. In beiden Sportarten spielt Taktik eine große Rolle. Auch beim Mistral-Surfen ist das Training auf dem Wasser am wichtigsten, aber vor allem im Winter gehören auch gezieltes Kraft- und Ausdauertraining dazu - für das Pumpen.

Konkurrenz zwischen den Surfern der Mistral-Klasse und denen auf dem Funboard gibt es aber nicht. Im Gegenteil: Zumindest die Mistral-Surfer können beim Funboarden viel dazu lernen. "Das Funboard ist wendiger als unser Brett, man kann Manöver trainieren und ein besseres Gefühl für das Brett entwickeln." Außerdem könne man die Angst vor der Geschwindigkeit verlieren, denn die Funboards sind schneller als die Mistrals, die es bei optimalen Wetterbedingungen und Flachwasser auf 40 - 50 km/h bringen.

Alexander Baronjan, der beste deutsche Mistral-Surfer, steigt genau deshalb häufig auf das Funboard. "Auf dem Mistral macht mir auch am meisten Spaß, Gas zu geben." Warum er dann nicht gleich mit dem Funboarden angefangen hat? "Weil ich aus Berlin komme", sagt er trocken. Fürs Funboarden braucht man Wind und Wellen.

Die gab es in Cadiz reichlich - mehr als Alexander Baronjan vorher gedacht hätte. "Ich habe noch nie eine Regatta erlebt, bei der wir durchgehend soviel Wind hatten." Weil das Gebiet in dieser Jahreszeit für leichtere Winde bekannt ist, hatte er sein Training darauf eingestellt und sogar extra ein paar Kilogramm abgenommen. Vielleicht lag es daran, dass es am Ende nur für Platz 23 reichte. Es war einfach zu viel Wind.

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