Verhängung von Todesstrafe ausdrücklich ausgeschlossen
Französisches Gericht genehmigt Auslieferung von US-Bürger Kopp

AFP RENNES. Der in Frankreich inhaftierte militante Abtreibungsgegner und mutmaßliche Mörder eines US-Abtreibungsarztes, James Charles Kopp, kann an die Vereinigten Staaten ausgeliefert werden. Das Untersuchungsgericht im westfranzösischen Rennes entschied am Donnerstag, der Auslieferung des 46-Jährigen an die US-Behörden stehe nichts im Wege, nachdem US-Justizminister John Ashcroft die Verhängung der Todesstrafe ausgeschlossen hatte. Kopp wird verdächtigt, den 52-jährigen Gynäkologen Barnet Slepian im Oktober 1998 vor den Augen seiner Familie erschossen zu haben. Kopp war im März nach einer internationalen Fahndung in der westfranzösischen Stadt Dinan festgenommen worden. Er kann gegen die Auslieferung noch mehrfach Rechtsmittel einlegen.

Gegen Kopp dürfe nach der Auslieferung die Todesstrafe weder beantragt, noch verhängt oder ausgeführt werden, legte das Untersuchungsgericht in Rennes fest. Die französische Staatsanwaltschaft hatte erklärt, die US-Behörden hätten «zahlreiche Beweismittel» vorgelegt, nach denen Kopp als mutmaßlicher Täter gelten müsse. So wurden genetische Fingerabdrücke gefunden, die belegen, dass sich Kopp in unmittelbarer Nähe des Hauses von Slepian in Amherst im US-Bundesstaat New York aufgehalten hatte.

Die Entscheidung des französischen Untersuchungsgerichts gehe in die richtige Richtung, weil die Todesstrafe «vollständig ausgeschlossen» wurde, sagte Kopps Anwalt. Die französischen Behörden hatten darauf bestanden, dass der US-Justizminister persönlich den Verzicht auf die Todesstrafe versichere. Anfang Juni wurde eine entsprechende diplomatische Note Ashcrofts hinterlegt. Bis zu einer Auslieferung werden wegen des Instanzenweges auf jeden Fall noch Monate vergehen.

Als Kopp dem Gericht in Rennes zu der Entscheidung über die Auslieferung vorgeführt wurde, rief er Reportern zu: «Wer brachte Dr. Slepian um - das ist die einzige Frage!» Kopp war seit Mitte der 80er Jahre in der Anti-Abtreibungs-Organisation «pro life» aktiv. Er wurde mehr als 20 Mal festgenommen, weil er in den USA den Betrieb von Abtreibungskliniken störte. Kopp wird nicht nur der Mord an Slepian zur Last gelegt, sondern soll auch für mehrere ähnliche Überfälle in Kanada verantwortlich sein, bei denen seit 1997 drei Ärzte verletzt wurden. Die Ermordung Slepians hatte in den USA eine hitzige Debatte über den Kampf konservativer Kreise gegen das Abtreibungsrecht ausgelöst, das vor 28 Jahren eingeführt wurde.

Die Todesstrafen-Regelungen in den USA führen regelmäßig zu einem politischen und juristischen Tauziehen, wenn in Europa Inhaftierte oder europäische Staatsbürger davon betroffen werden. Am Mittwoch waren die USA vom Internationalen Gerichtshof (IGH) in Den Haag verurteilt worden, weil sie bei der Hinrichtung der deutschen Brüder LaGrand 1999 gegen das Völkerrecht verstießen. Derzeit sitzen noch drei Deutsche in den USA in Todeszellen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%