Verhärtete Positionen, keine Annäherung
Kompromissvorschlag zum Klimaschutz wurde abgelehnt

Einen Tag vor dem Ende der Klimaschutzkonferenz hat sich in Den Haag keine Annäherung der verhärteten Positionen abgezeichnet. Ein Kompromissvorschlag des niederländischen Umweltministers Jan Pronk wurde am Freitag abgelehnt. Der Plan sollte den USA entgegenkommen und sah vor, Waldbestand und Landwirtschaft als Kohlendioxid-reduzierende Faktoren mit zu berücksichtigen. Bundesumweltminister Jürgen Trittin kritisierte den Vorschlag als unzureichend und forderte Verbesserungen.

ap DEN HAAG. Pronks Vorlage zufolge sollten den USA für Wald und Landwirtschaft 60 Mill. Tonnen CO2-Emissionen erlassen werden - das sind 10 % der nach dem Kyoto-Abkommen 1997 vorgeschriebenen Verringerung binnen eines Jahrzehnts und die Hälfte dessen, was Washington gefordert hatte. Außer den USA wollen auch Japan, Kanada, Australien und einige andere Staaten die Berücksichtigung CO2-senkender Faktoren.

US-Unternehmern und Umweltschutzorganisatoren im Einklang

Der Kompromissvorschlag stieß jedoch sowohl bei Umweltschutzorganisationen als auch bei US-Unternehmern auf harsche Kritik. Greenpeace-Klimaexperte Karsten Smid bezeichnete ihn als Kniefall vor den amerikanischen Wirtschaftsinteressen. Greenpeace schätzte, dass der Vorschlag nicht zu einer Senkung der Treibhausgas-Emissionen führe, sondern zu einer weiteren Steigerung um mehr als 8 %.

Eine Gruppe amerikanischer Geschäftsleute, die gegen ein Klimaschutzabkommen ist, wies das Vorhaben als zu teuer zurück. "Der Vorschlag von Minister Pronk ist ein Erntedankfestbraten, der das Kyoto-Protokoll unakzeptabel teuer für amerikanische Arbeitnehmer, Familien und Verbraucher machen würde", sagte Glenn Kelly von der Global Climate Coalition.

Industrieländer schuld an "Pest des Klimawandels"

Der nigerianische Umweltminister Sani Zangon Daura nahm die reichen Länder für den Erfolg der Haager Konferenz in die umweltpolitische Pflicht. Es seien schließlich die Industrieländer gewesen, die die Dritte Welt kolonialisiert und verletzlich für eine Umweltkatastrophe gemacht hätten. "Die Pest des Klimawandels - sie haben sie verursacht", sagte er. Draußen vor dem Konferenzgebäude protestierten Umweltschützer lautstark für ein Klimaschutzabkommen. "Lasst uns nicht ertrinken" stand auf einem Spruchband.

Die Konferenzteilnehmer wollten bis Samstag ein Konzept zur Umsetzung des 1997 vereinbarten Protokolls von Kyoto vereinbaren, um der Erderwärmung entgegenzuwirken. Das Protokoll sieht vor, die Emission von Treibhausgasen bis zum Jahr 2012 weltweit um 5,2 % unter den Stand von 1990 zu senken. Die Hauptlast liegt dabei bei den Industrieländern: Europa soll seinen Ausstoß an schädlichen Gasen um acht Prozent senken, die USA um sieben Prozent und Japan sechs Prozent.

Scheer nennt US-Vorschlag Weltbetrug

Der Träger des alternativen Nobelpreises, Hermann Scheer, forderte den sofortigen Abbruch der Konferenz. Diese schade mehr als er nütze, sagte der Sozialdemokrat dem DeutschlandRadio Berlin. Die von den USA geforderte Anrechnung von Waldbeständen nannte Scheer einen Weltbetrug.

Weitere Informationen zur 6. Klimaschutzkonferenz in Den Haag:
COP 6 World Conference Climate Change - Den Haag 2000
Die offizielle Website zur Klimaschutzkonferenz in Den Haag
cop6.unfccc.int

United Nations Framework On Climate Change (UNFCCC):
Organisator und Informationszentrum der Klimaschutzkonferenz
www.unfccc.de

Grünbuch der EU zum Treibhaus-Emissionsrechtehandel
europa.eu.int/comm/environment/docum/0087_en.htm

Dazu auch der Bereich des Ausschuß für Forschung, technologische Entwicklung und Energie
www.europarl.eu.int/dg1/a4/de/a4-97/a4-0168.htm

United States Initiative on Joint Implementation: Informationsseiten der amerikanischen Initiative zur Senkung der Treibhausemissionen
www.gcrio.org/usiji

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