Verhaltene Zuversicht
BASF mit Ergebniseinbruch

Europas größter Chemiekonzern BASF sieht nach einem kräftigen Ergebnisrückgang im Schlussquartal 2001 noch keine positive Wende in der Konjunktur. Vorstandschef Jürgen Strube äußerte sich am Donnerstag in Ludwigshafen zur Geschäftsentwicklung im laufenden Jahr weiterhin vorsichtig.

Reuters LUDWIGSHAFEN. "Das Jahr 2002 wird nicht leicht werden, weder für unsere Branche noch für unser Unternehmen", sagte Strube bei der Vorstellung der Jahresbilanz. BASF verzeichne beim Auftragseingang zu Jahresbeginn noch keinen kräftigen Aufschwung. BASF wolle 2002 bei etwa gleichem Umsatz des fortgeführten Geschäfts sein Ergebnis aber deutlich steigern. Der Konzern hoffe auf ein Anziehen der Nachfrage bei Produkten der Chemieindustrie im zweiten Halbjahr. Wenn die Erholung komme, werde sie BASF als einer der ersten spüren, sagte Strube.

Damit blieb der Ausblick bei BASF angesichts der weltweit noch unsicheren Konjunkturlage ebenso unpräzise wie beim Leverkusener Konkurrenten Bayer, der am Vortag ebenfalls seine Jahresbilanz 2001 vorgelegt hatte. Als drittes Dax-Unternehmen will kommende Woche der Spezialchemiekonzern Degussa mit seinen Zahlen folgen. Bayer-Chef Manfred Schneider hatte zum Geschäftsausblick 2002 lediglich gesagt, wenn alles wie geplant verlaufe, werde es eine deutliche Steigerung des operativen Ergebnisses geben. Bayer will einen konkreteren Ausblick für dieses Jahr erst zur Hauptversammlung Ende April vorlegen.

Zum abgelaufenem vierten Quartal 2001 teilte BASF mit, das Betriebsergebnis vor Sondereinflüssen sei im Vorjahresvergleich um mehr als zwei Drittel auf 252 Mill. Euro gesunken. Von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt lediglich mit 175 Mill. Euro gerechnet, die Schätzungen lagen zwischen 365 und 39 Mill. Euro. Unter dem Strich verbuchte BASF einen Quartalsverlust von 469 Mill. Euro nach einem Gewinn von 227 Mill. Euro vor Jahresfrist. Analysten hatten mit einem Verlust von 95 bis 714 Mill. Euro gerechnet. Der Umsatz ging im Schlussquartal nach BASF-Angaben um 17,5 % auf 7,683 Mrd. Euro zurück und lag damit am oberen Rand der Analystenschätzungen. Die Branchenexperten hatten Erlöse zwischen 7,9 und 5,018 Mrd. Euro erwartet.

Das vergangene Jahr war für BASF nach eigener Einschätzung ein Ausnahmejahr. Alle Konzernsegmente hätten aber trotz der Konjunkturflaute und hoher Rohstoffpreise vor Sondereinflüssen schwarze Zahlen geschrieben. Insgesamt sank das Ergebnis der Betriebstätigkeit vor Sondereinflüssen um 32,6 % auf 2,293 Mrd. Euro in der Gruppe. Unter dem Strich erwirtschaftete der Ludwigshafener Konzern einen Gewinn von 5,858 Mrd. Euro nach 1,24 Mrd. Euro ein Jahr zuvor. Darin ist allerdings der Verkauf der Pharmasparte Knoll an den US-Konzern Abbott Laboratories enthalten, für den BASF ein außerordentliches Ergebnis von 6,121 Mrd. Euro verbuchte.

Im Konzernbereich Chemikalien sank den Angaben zufolge das Betriebsergebnis vor Sondereinflüssen um 34,1 %, bei Kunstoffen und Fasern ging es sogar um 77,5 % zurück. Das Ergebnisminus bei den Veredelungsprodukten betrug 35,8 %. Zuwächse von 10,5 % verzeichnete BASF hingegen beim Betriebsergebnis vor Sondereinflüssen des Segments Pflanzenschutz und Ernährung. Ebenfalls positiv entwickelte sich das Segment Öl und Gas mit einem Ergebnisplus von 3,3 % auf 1,308 Mrd. Euro. Damit trugen Öl und Gas mehr als die Hälfte zum Betriebsergebnis bei.

Analysten positiv gestimmt

In ersten Einschätzungen äußerten sich Analysten positiv. "Es schaut so aus, als ob es ein schweres viertes Quartal gewesen ist, das aber besser ausgefallen ist als wir erwartet haben", sagte Michael Vara von der Commerzbank. Beim Ausblick habe BASF indes nichts Neues gesagt, da bereits mit einem Umschwung in der zweiten Jahreshälfte 2002 gerechnet werde. Für eine rasche Erholung gebe es dagegen keine Anzeichen.

Nach Einschätzung von Oliver Günter von der Bankgesellschaft Berlin ist es noch schwierig, eine definitive Aussage zu den Zahlen zu machen. Der Ausblick sei vorsichtig optimistisch ausgefallen. Dies habe er auch so erwartet. Nach Ansicht von Harald Gruber von der WestLB Panmure hat BASF noch erhebliche Kostensenkungsmaßnahmen vor, die 2002 zusammen mit bereits gehobenen Synergien erste positive Auswirkungen auf die Ergebnisse haben würden.

Die BASF-Aktie tendierte in einem festen Gesamtmarkt am Mittag leicht im Plus mit 0,2 % bei 45,89 Euro.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%