Verhaltener Umsatz
Flut von US-Zahlen lässt Anleger zögern

Wenn viele Ereignisse anstehen, wie die für diese Woche erwarteten Quartalsabschlüsse von 1 500 US-Unternehmen, die Greenspan-Rede am Mittwoch oder die SAP-Zahlen am Donnerstag, dann verhalten sich die Marktteilnehmer vorsichtig.

FRANKFURT/M. Um nicht auf dem falschen Fuß erwischt zu werden, warten die Investoren die konkreten Fakten erst einmal ab. So lassen sich auch die mäßigen Umsätze an der Frankfurter Aktienbörse zum Wochenauftakt erklären.

Entsprechend gelassen reagierten vom Handelsblatt befragte Händler auf die leicht nachgebenden Kurse am Montag: Der Deutsche Aktienindex (Dax) hatte nach einem schwächeren Start seine Verluste zunächst leicht ausgebaut, später sorgten die Minuszeichen an der Nasdaq für zusätzlichen Druck. Zum Schluss notierte der Dax bei 5 842,77 Punkten (-1,4 %).

"Diese Woche bietet mit den vielen US-Earnings eigentlich eine gute Chance, dass sich der Markt von seiner phlegmatischen Tendenz löst", prognostizierte ein Händler eines Frankfurter Finanzdienstleisters. "Generell bin ich für das zweite Halbjahr etwas positiver gestimmt. Die Quartalsergebnisse und vor allem die Ausblicke der Unternehmen könnten auf eine Erholung der US-Wirtschaftslage hindeuten. Wann der Startschuss für leicht steigende Kurse aber fällt - ob schon am Dienstag oder erst gegen Ende der Woche - ist noch offen", fügte er hinzu. "Für den heutigen Tag zumindest erwarte ich nicht mehr viel", sagte Stephan Ignatzy von Commerzbank Securities bereits am Nachmittag mit Blick auf die bescheidenen Umsätze und das mäßige Geschäft.

Direkte Auswirkungen der Unternehmensergebnisse einiger US-Banken auf die Finanztitel im Dax sah der Frankfurter Händler nicht. Generell sei er aber eher negativ für diesen Sektor gestimmt. Es sei kein Geheimnis, dass Häuser mit einer hohen Beteiligung im Investment Banking unter der schleppenden Entwicklung an den Aktienbörsen zu leiden hätten. Zwar sei in den Kursen deutscher Banken schon viel vorweggenommen. Die Verschlechterung der konjunkturellen Lage aber drücke aber auch auf das Hypothekenbankgeschäft.

Deutliche Kursverluste verbuchten lange die Aktien der Dresdner Bank , die sich am Abend von ihren Tagestiefs aber wieder lösen konnten. Die Allianz hatte mitgeteilt, die Aktionäre der Dresdner Bank hätten das Übernahmeangebot des Münchener Versicherers mit einer Mehrheit von mehr als 92 % angenommen. Die Dresdner Bank-Aktie wird nun voraussichtlich am 24. Juli aus dem Dax genommen, für sie rückt der Finanzdienstleister MLP nach. "Die Dreba-Aktie ist jetzt für Anleger nicht mehr interessant", erklärte Ignatzy. Zudem positionierten sich jetzt die Fonds, die den Index nachbildeten, erklärte ein Analyst. Die Allianz-Aktien legten um etwa 1 % zu. MLP gaben dagegen um 2 % nach. Schwankungen in dieser Größenordnung waren bei der Aktie laut Händlern aber in den vergangenen Wochen bereits an der Tagesordnung.

Schwächer notierten auch die Technologietitel, allen voran Siemens und SAP . Für Siemens hatten die Analysten von ABN Amro das Kursziel gesenkt, bei SAP begründeten Marktteilnehmer die Abschläge mit der Unsicherheit vor den Zahlen am Donnerstag.

Positive Nachrichten gab es zu Eon , die 51 % an Veba Oel an die britische BP verkaufen und dafür im Gegenzug beim Gasimporteur Ruhrgas einsteigen. Analysten begrüßten diesen Schritt. Er tue der Aktie gut, weil das Unternehmen konsequent seine Multi-Utility-Strategie umsetze, hieß es. Dabei bietet das Unternehmen das Geschäft mit Strom, Gas, Wasser und Abfallentsorgung aus einer Hand an. RWE verfolgt ähnliche Pläne.

Quelle: Heike Herbertz
Petra Hoffknecht
Handelsblatt / Redakteurin
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