Verhandlunegn mit BaFin laufen weiter
Gerling will Geschäftsbereich verpachten

Gerling geht einen ausgefallenen Weg, um sein Rückversicherungsgeschäft neu zu ordnen. Der Kölner Konzern möchte die Leben-Rückversicherung, die rund eine Mrd. Euro Prämienvolumen hat, an den Versicherer VHV in Hannover verpachten, wie Gerling-Chef Björn Jansli bestätigte.

fw/rl DÜSSELDORF. So will er diesen Geschäftsbereich aus dem angeschlagenen Konzern herauslösen und der Sparte ein besseres Rating verschaffen. Der gesamte Konzern war durch Probleme in der Rückversicherung, die allerdings nicht das Lebengeschäft betrafen, in die Krise geraten.

"Ein Lebenrückversicherer braucht ein Rating von mindestens Single A, um am Markt bestehen zu können", sagt Jansli. Ob der Deal wie geplant über die Bühne geht, hängt jetzt von der Ratingagentur S & P ab: Nur wenn sie dem Pachtmodell das gewünschte Rating zubilligt, lohnt sich das Geschäft.

S & P äußerte sich auf Anfrage nicht direkt zu den Plänen. Analystin Karin Clemens sagte nur, die Leben-Rückversicherung von Gerling habe zurzeit gar kein eigenes Rating. Allgemein sei es nicht üblich, dass eine Tochtergesellschaft eine bessere Einstufung bekomme als die Mutter, fügte sie hinzu. Wenn dies geschehen sollte, dann müsse der betreffende Konzern sehr genau nachweisen, dass die Tochter wirklich unabhängig sei. Eine spannende Frage sei unter anderem, ob oder unter welchen Konditionen die Gesellschaft an den alten Eigentümer zurückfallen könne.

Für die VHV ist das Ganze ein einfaches Geschäft. "Die haben damit einen risikoarmen Zusatzertrag", meint Jansli. Die VHV selbst kommentierte die Angelegenheit nicht; eine Sprecherin meinte lediglich, noch sei nichts unterschrieben. Die Gesellschaft gilt als finanziell sehr gesund und hat vor kurzem eine Fusion mit der angeschlagenen Hannoverschen Lebensversicherung bekannt gegeben.

Das Rückversicherungsgeschäft von Gerling hatte zu seinen besten Zeiten mehr als fünf Mrd. Euro jährliches Prämienvolumen. Der größte Teil davon, das Sachgeschäft, wurde an eine Abwicklungsgesellschaft verkauft, weil er nicht mehr zu sanieren war. Ein interessantes Detail: Die VHV gehörte zu den ersten Gesellschaften, die ihre Geschäftsverbindungen zur Abwicklungsgesellschaft lösten, indem sie Verträge und zugehörige Rückstellungen - mit Abschlag - zurückkauften.

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) will die Ausgliederung allerdings nachträglich blockieren, weil sie von dem Abwicklungskonzept nicht überzeugt ist. Dazu steht in wenigen Wochen ein Urteil des Verwaltungsgerichtshofs in Kassel an, in dem es vor allem um die Frage geht, welche Kontrollrechte die BaFin in diesem speziellen Fall hat. Unabhängig davon laufen die Verhandlungen weiter. Thomas Steffen, Chef der Versicherungsaufsicht, sagte gestern: "Es gibt einzelne Fortschritte auf der Konzeptseite, aber es überzeugt uns nicht." Er betonte, seine Behörde sei nicht Schuld an den Problemen von Gerling, sondern das Unternehmen selbst. Jansli hingegen äußerte Unverständnis für die Auffassung der Behörde. Erschwerend ist, dass Achim Kann, der Eigentümer der Abwicklungsgesellschaft, offenbar keinen guten Draht zu der Behörde entwickeln konnte, wie in der Branche berichtet wird.

Für Gerling könnte es überlebenswichtig sein, dass der Verkauf letztlich doch akzeptiert wird, weil der Konzern nur so seine Risiken in überschaubarem Rahmen halten kann. Wenn er Bestand hat, hofft Jansli auf ein Rating von "BBB" für seine Konzerngesellschaften - zurzeit liegt es nur bei BB+. "Wenn wir das bekommen, finden wir auch neue Eigenkapitalgeber", sagt er - und zwar auch ohne Hilfe aus der deutschen Industrie, von der gerüchteweise immer wieder die Rede ist. Noch stünden Kunden und Makler treu zu Gerling, sagt Jansli. "Wir haben sehr gute Leute, uns fehlt nur das Kapital", sagt der Konzernchef.

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