Verhandlungen an einem geheim gehaltenen Ort
Lufthansa und Piloten schweigen über Schlichtung

Unterhändler der Lufthansa und ihrer Piloten haben am Montag unter der Leitung des früheren Bundesaußenministers Hans-Dietrich Genscher versucht, in Schlichtungsverhandlungen einen Ausweg aus dem Tarifkonflikt zu finden. In verhandlungsnahen Kreisen hieß es am Montag, alle Beteiligten säßen nun zusammen, um nach einem Kompromiss zu suchen.

Reuters FRANKFURT. Die Schlichtung werde aber sicher noch tagelang dauern. Die Lufthansa lehnte ebenso wie die Pilotenvereinigung Cockpit eine Stellungnahme zum Stand der Gespräche ab. Unklar blieb auch, ob es bereits am Wochenende erste Verhandlungen gegeben hatte. In den Kreisen hieß es weiter, Vertreter beider Seiten und Schlichter Genscher hielten sich für die Verhandlungen an einem geheim gehaltenen Ort auf.

Eine Lufthansa-Sprecherin sagte mit Blick auf die in der vergangenen Woche eingeleitete Schlichtung lediglich: "Das Schlichtungsverfahren läuft seit vergangener Woche. Ansonsten geben wir keine Auskunft." Auch ein Sprecher der Vereinigung Cockpit verwies darauf, dass über Ort, Zeitplan und Inhalt der Schlichtungsverhandlungen Stillschweigen vereinbart worden sei. Genschers Büro teilte nur mit, die Verhandlungen würden zügig und erfolgsorientiert geführt.

Die Tarifverhandlungen der Lufthansa mit Cockpit für die von ihr vertretenen 4 200 Lufthansa-Piloten waren am vergangenen Dienstag gescheitert. Cockpit ließ sich allerdings auf den Vorschlag der Lufthansa ein, in einer Schlichtung unter Leitung Genschers nach einem Ausweg zu suchen. Nach offiziellen Angaben hatten sich die Beteiligten bereits am vergangenen Mittwoch zu einem ersten Vorgespräch getroffen.

Cockpit hatte zuletzt für die Piloten eine Gehaltserhöhung um 24 % sowie eine Ergebnisbeteiligung verlangt, während die Lufthansa Gehaltsanhebungen um 10,6 % plus Gewinnbeteiligung sowie strukturelle Gehaltsverbesserungen um drei Prozent bei mehrjähriger Laufzeit geboten hatte. Die Lufthansa-Piloten hatten in den vergangenen Wochen mehrfach gestreikt, was zum Ausfall von hunderten Flügen führte. Während der Schlichtung will Cockpit auf weitere Streiks verzichten.

Für den Fall eines Scheiterns der Schlichtung hatte Cockpit jedoch indirekt eine Ausweitung der Streiks angedroht. Anders als beispielsweise für die Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst gab es bei der Lufthansa keine feststehende Schlichtungsvereinbarung, wodurch auch die Dauer des nun begonnenen Schlichtungsverfahrens unklar ist.

Für den öffentlichen Dienst regelt die dort zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften ausgehandelte Schlichtungsvereinbarung beispielsweise, innerhalb welcher Fristen die Schlichter ihren Einigungsvorschlag vorzulegen haben und wie die Abstimmung in der Schlichtungskommission funktioniert.

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