Verhandlungen in Istanbul: Beko bei Grundig wieder im Rennen

Verhandlungen in Istanbul
Beko bei Grundig wieder im Rennen

Durch die Insolvenz des Traditionsunternehmens ist ein Hindernis für potenzielle Investoren aus dem Weg geräumt: die hohen Pensionsverpflichtungen.

dpa NÜRNBERG/ROSENHEIM: Bei den Bemühungen um eine Rettung des zahlungsunfähigen Elektronik-Herstellers Grundig ist offenbar der türkische Konzern Beko wieder im Rennen. Grundig- Vorstands-Chef Eberhard Braun und Insolvenzverwalter Siegfried Beck verhandelten seit Dienstagmittag in Istanbul mit der Beko-Führung, teilte der Grundig-Eigentümer Anton Kathrein der dpa mit. Der Rosenheimer Antennen-Hersteller ist über eine Vermögens- Verwaltungsgesellschaft alleiniger Eigentümer von Grundig.

Ein Sprecher der Firma Grundig bestätigte am Dienstag lediglich Gespräche mit Investoren, ohne nähere Einzelheiten zu nennen. Ein Beko-Sprecherin in Istanbul sagte dagegen, von neuen Gesprächen könne keine Rede sein.

Nach dem Scheitern der Übernahme-Gespräche mit Beko in der Vorwoche sind nach Kathreins Einschätzung die Chancen für eine Einigung mit dem türkischen Unternehmen nun ungleich besser. "Beko war vor den rund 220 Millionen Euro Pensionsverpflichtungen zurückgeschreckt. Daran ist das ganze in der vergangenen Woche gescheitert. Das kann man ja eigentlich auch gut verstehen: Welches Unternehmen möchte schon Verpflichtungen für 14 000 Mitarbeiter übernehmen, die schon lange nicht mehr bei Grundig beschäftigt sind", sagte der Rosenheimer Unternehmer.

Dieses Hindernis sei nun mit der Insolvenz aus dem Weg geräumt. Insofern sei der Insolvenzantrag ein "Befreiungsschlag" und keineswegs das Ende von Grundig gewesen. "Es ging einfach so nicht weiter. Wir mussten einen Schlussstrich ziehen", fügte Kathrein hinzu. Gleichzeitig wies er Vorwürfe von Arbeitnehmervertretern zurück, er habe sich zuletzt zu wenig um eine Rettung Grundigs bemüht. "In den vergangenen Monaten ist rund ein Drittel meiner Arbeitszeit für Grundig draufgegangen."

Mit dem türkischen TV-Geräte-Hersteller als potenziellem neuem Investor könne er sehr gut leben. "Beko war schon immer mein Wunschpartner", sagte er. Mit dem Beko-Mutterkonzern Koc arbeite er seit 25 Jahren auf dem Mobilfunk-Markt zusammen. "Das ist ein sehr verlässlicher Partner". Dass die Verhandlungen mit Grundig gescheitert seien, liege auch an dem zu diesem Zeitpunkt vollzogenen Generationswechsel im Koc-Konzern.

Nach Kathreins Angaben ist type="person" value="? Koc, Beko Mutterkonzern">Beko vor allem an der Forschungs- Abteilung der Grundig AG in Nürnberg interessiert. "Die haben so was überhaupt nicht", sagte er. Daneben seien für die Türken die Vertriebs- und Marketing-Abteilung interessant. Rund 8000 Händler seien eine gute Vertriebsbasis für Beko auf dem deutschen Markt. Darüber hinaus gehe es Beko um den gut eingeführten Markennamen "Grundig". Dadurch könnten etwa am Standort Nürnberg etwa 1300 Arbeitsplätze erhalten werden.

Kathrein selbst zeigt nach seinen Worten Interesse an der im portugiesischen Braga angesiedelten Grundig-Autoradio-Sparte, die Car Intermedia. Übernahme-Kandidaten gebe es auch für die in Bayreuth ansässige Bürokommunikationssparte. Keineswegs schwarz sieht er auch für das Wiener Fernsehgeräte-Werk. Dafür gebe es drei potenzielle Investoren. Diese seien bereit, im Beko-Auftrag unter anderem Flachbildschirme zu produzieren. Derzeit hätten die Wiener noch einen Beko-Auftrag über 850 000 solcher "High-End-Geräte".

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