Verhandlungen laut Palästinensern in schwierigem Stadium
Bombenanschlag im Westjordanland überschattet Friedensgespräche

Bei dem Selbstmordanschlag eines Palästinensers in der jüdischen Siedlung Mechola im besetzten Westjordanland ist der Attentäter getötet worden. Drei Israelis wurden zum Teil schwer verletzt.

ap JERUSALEM. Die israelisch-palästinensischen Friedensgespräche in den USA sind am Freitag von neuen Gewalttaten im Westjordanland und Gazastreifen überschattet worden. Ein palästinensischer Selbstmordattentäter betrat im nördlichen Westjordanland einen von israelischen Soldaten besuchten Imbiss und sprengte sich selbst in die Luft. Drei Soldaten wurden verletzt, einer davon schwer. Ursprüngliche Berichte, wonach auch ein Israeli getötet wurde, wurden später von der Polizei korrigiert.

An anderen Orten des Westjordanlandes und des Gazastreifens wurden bei Zusammenstößen zwischen Israelis und Palästinensern vier Palästinenser erschossen. Das erhöhte die Todeszahl der Unruhen der letzten drei Monate auf 344. Auf dem Tempelberg in Jerusalem kam es unterdessen anlässlich des Freitagsgebets in der Al-Aksa-Moschee zu Zusammenstößen zwischen Palästinensern und israelischen Soldaten. Am Damaskustor am Eingang des arabischen Teils von Jerusalem bewarfen wütende Palästinenser die Israelis mit Steinen, weil sie am letzten Freitag des Fastenmonats Ramadan nicht zum Gebet auf den Tempelberg gelassen wurden. Rund 3 000 israelische Polizisten und Soldaten waren aufgeboten, um Ausschreitungen zu verhindern.

Friedensverhandlungen geraten ins Stocken

Die Friedensverhandlungen nahe Washington gerieten indes nach palästinensischen Angaben in eine Krise, nachdem die Unterhändler zuvor von deutlichen Fortschritten berichtet hatten. Der palästinensische Unterhändler Jassir Abed Rabbo erklärte, die israelische Seite sei am Donnerstagabend wieder hinter ihre ursprüngliche Linie zurückgegangen und habe die Annexion größerer Teile des Westjordanlandes verlangt. Weiter verlautete aus Bolling bei Washington, die Gespräche hätten eine schwierige Wendung genommen. Beide Seiten hätten sich mehrfach angeschrien. Zuvor hatte Rabbo erklärt, man sei in der Jerusalemfrage einer Einigung "sehr nahe".

Die Palästinenser fordern für ein Friedensabkommen die Rückkehr von mehreren Mill. seit 1948 vertriebener Araber in ihre Heimat. Israel lehnt das ab, deutete aber an, Regelungen zur Familienzusammenführung tausender Palästinenser zuzugestehen. US-Präsident Bill Clinton hatte beiden Seiten einen neuen Friedensplan vorgelegt. Der Clinton-Plan basiert nach Berichten aus israelischen Medien auf den Punkten, in denen man bereits beim erfolglosen Camp-David-Gipfel vom Sommer eine Einigung erzielt habe. Wie die Zeitung "Jediot Ahronot" schrieb, enthält der Plan die Annahme, dass Israel 90 % des Westjordanlandes aufgibt und Teile Ostjerusalems mit arabischer Bevölkerung einem künftigen palästinensischen Staat zuschlägt.

Am Ort des Bombenanschlags bei der Siedlung Mehola durchkämmte die israelische Armee die Umgebung. Augenzeugen berichteten von einem Blutbad am Tatort, einem Straßencafe mit Imbiss. Der Attentäter wurde so stark zerfetzt, dass zunächst unklar gewesen sei, ob es sich bei den überall herumliegenden Leichenteilen um die Überreste von einer oder zwei Personen gehandelt habe. Die Armee gab zunächst keine Stellungnahme zu den Anschlag ab.



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