Verhandlungen mit Banken offenbar gescheitert
Elektrohersteller Grundig steckt in schwerer Krise

Die Krise bei dem Nürnberger Unterhaltungselektronikhersteller Grundig wird immer ernster: Nach einer Meldung des "Bayerischen Rundfunks" ist sogar der Bestand des Unternehmens gefährdet. Dies sagte Aufsichtsratschef und Mehrheitseigner Anton Kathrein dem Sender. Kathrein konnte sich mit den beteiligten Banken offenbar nicht auf neue Kredite einigen.

HB/jojo NÜRNBERG. Sollte Grundig erhalten bleiben, wird möglicherweise die Fernsehgeräte-Produktion von Nürnberg nach Wien verlegt. Auch eine mögliche Stilllegung des Grundig-Werks in Bayreuth zeichnete sich nach Angaben von Grundig-Betriebsratschef Dieter Appelt immer deutlicher ab.

Appelt berief sich dabei auf Angaben des Grundig-Hauptanteilseigners Anton Kathrein bei einem Gespräch am vorigen Freitag in Rosenheim. Am Montag wollte der Aufsichtsrat unter Kathreins Vorsitz bei München über die Neustrukturierung des Unternehmens entscheiden. Ein Beschluss stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest.

Grundlage der Pläne ist ein von der Unternehmensberatung Roland Berger erarbeitetes Konzept. Appelt kündigte an, der Betriebsrat werde alles tun, um einen Arbeitsplatzabbau zu verhindern. Er forderte vom Aufsichtsrat, sich klar zum Standort Bayern zu bekennen. Die Mitarbeiter hätten wegen ihrer Produktivität und Motivation die besseren Argumente auf ihrer Seite. Um aus der Krise zu kommen, müsse die Produktion in Nürnberg ausgebaut werden, sagte Appelt. Das Unternehmen hat sich bisher nicht zu den Spekulationen geäußert.

Mehrere Beschäftigte in Langwasser forderten am Montagmorgen vor dem Grundig-Werkstor auf Transparenten den Erhalt ihres Standorts. In Nürnberg sind nach verschiedenen Angaben zwischen 250 und 380 der insgesamt 2 150 Arbeitsplätze in Gefahr. In Bayreuth wären vermutlich alle rund 360 Mitarbeiter betroffen.

Kathrein sowie die engagierten Kreditinstitute stünden jetzt in der Verantwortung, betont der Betriebsrat. Das Konzept der Unternehmensberater enthalte verschiedene Szenarien, hieß es am Montag lediglich. Der Aufsichtsrat unter seinem Vorsitzenden Anton Kathrein hatte sich vor der Sitzung zu einer Tagung mit Bankenvertretern getroffen. Der Chef der Rosenheimer Kathrein-Werke - dem nach eigenen Angaben weltgrößten Antennenproduzenten - hatte erst im November den Aufsichtsratsvorsitz und die Anteilsmehrheit von Grundig übernommen.

Wegen der Krise bei Grundig hatte sich der niederländische Elektronikriese Philips 1997 von seiner Mehrheit an dem Unternehmen getrennt. Grundig verbuchte 2000 bei einem Umsatz von rund 2,8 Mrd. DM einen Betriebsverlust von etwa 80 Mill. DM.

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