Verhandlungen mit Deloitte Touche über einen Zusammenschluss
Arthur Andersen sucht Käufer

Der Enron-Skandal führt möglicherweise zu einem Zusammenschluss der Wirtschaftsprüfer von Arthur Andersen mit der Konkurrenz von Deloitte Touche Tohmatsu. Dies verlautete aus Verhandlungskreisen. Andersen-Berater hätten demnach die Firmen der "Großen Fünf" der Branche angesprochen, darunter Deloitte.

ule DÜSSELDORF. Die Verhandlungen hätten in der vergangenen Woche begonnen, als Andersen von einer möglichen Anklage wegen Justizbehinderung erfahren habe. An den Gesprächen in New York nahmen nach Angaben der elektronischen Ausgabe der "New York Times" die Unternehmenschefs von Andersen und Deloitte, Joseph F. Berardino und James E. Copeland, teil. Eine Vereinbarung könnte schon in dieser Woche angekündigt werden.

Die Konditionen einer potenziellen Übernahme seien aber noch offen. Es ist auch noch keine Entscheidung gefallen, ob Andersen ganz oder stückweise verkauft werden soll, hieß es. Sprecher der beiden Unternehmen wollten sich zu dem möglichen Verkauf allerdings nicht äußern.

Die Verhandlungen konzentrierten sich vor allem auf die Frage, wie Deloitte Schadensersatzansprüche vermeiden kann, die Andersen für seine Rolle im Enron-Debakel drohen. Deloitte sei an einem Andersen-Kauf interessiert, ohne aber die Probleme mit übernehmen zu wollen.

Eine Lösung wäre nach dem Bericht der "New York Times" ein Verkauf von Vermögenswerten statt einer Fusion oder einer Übernahme. Deloitte könnte auch das gesamte Unternehmen mit Ausnahme des us-amerikanischen Geschäfts übernehmen. Diese Sparte könnte alleine stehen, solange Andersen mit den Behörden über eine Lösung der Enron-Probleme verhandle.

Eine andere Möglichkeit, die von Andersen untersucht werde, sei ein Konkursantrag im Rahmen des Kapitel Elf des US-Konkursrechtes. Ein Verkauf oder eine Fusion könnte unter Gerichtsschutz vor Gläubigern und Klägern erfolgen. Eine solche Strategie sei jedoch komplex und bislang bei einem Partner-Unternehmen wie Andersen noch nicht verfolgt worden.

Andersen drohen im Zusammenhang mit seiner Rechnungsprüfungstätigkeit bei Enron riesige Forderungen. Anwälte des Wirtschaftsprüfers werden in den kommenden Tagen mit dem US-Justizministerium verhandeln, um Vorwürfe einer kriminellen Justizbehinderung im Zusammenhang mit der Zerstörung von Enron - Dokumenten zu verhindern.

Marktbeobachter halten eine Fusion angesichts der drohenden Klage als beste Lösung. Ein Zusammenschluss von Andersen und Deloitte machen vor allem deshalb Sinn, weil die beiden Unternehmen ähnliche Geschäftsmodelle und Unternehmenskulturen hätten. Deloitte ist derzeit hinter den Wirtschaftsprüfern von PricewaterhouseCoopers die Nummer Zwei in der Branche. Durch die Fusion könnte Deloitte zu dem Wettbewerber aufschließen.

Andersen hoffe zudem, die Kunden würden von einem fusionierten Unternehmen nicht abwandern. In Folge des Enron-Skandals hatten in der vergangenen Woche mehrere Andersen-Kunden zu anderen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften gewechselt. Erst am Montag erklärte die größte in Washington stationierte Bank Riggs National, zu KPMG zu wechseln.

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