Verhandlungen mit dem US-Kabelnetzbetreiber stehen kurz vor dem Abschluss
Kartellamt prüft bevorstehende Netcologne-Übernahme

Das Bundeskartellamt steht vor einer kniffligen Aufgabe: Ist es akzeptabel, wenn durch eine Übernahme im deutschen Telekommunikationsmarkt die Deutsche Telekom indirekt an einem der neuen Anbieter beteiligt wird? Der Fall: Die geplante Übernahme von Netcologne durch den Kabelnetzbetreiber Callahan.

HB BERLIN. Die geplante Übernahme des Kölner Stadtnetzbetreibers Netcologne durch den US-Kabel-Investor Callahan Associates LLC ist beim Bundeskartellamt offiziell angemeldet worden. Das bestätigten ein Sprecher der Wettbewerbsbehörde und eine Sprecherin der Kabel NRW GmbH. Das Unternehmen Kabel NRW mit 720 Mitarbeitern gehört zu 55 % der Callahan-Gruppe. Die restlichen 45 % hält nach wie vor die Deutsche Telekom AG. Callahans Ziel ist eine Zusammenlegung von Kabel NRW und Netcologne, um aus beiden Unternehmen einen großen regionalen Anbieter von Fernsehen, Internet und Telefonie zu schmieden. Allerdings würde damit die Telekom indirekt an dem erfolgreichsten kommunalen Festnetzbetreiber in Deutschland - Umsatz in diesem Jahr 180 Mill. DM - beteiligt.

Der Übernahmevertrag für Netcologne, die von den Gas-, Elektrizitäts- und Wasserwerken (GEW) Köln kontrolliert wird, soll nach Aussage der Kabel-NRW-Sprecherin noch in diesem Jahr unterzeichnet werden. Bei den Verhandlungen zwischen Callahan und den Netcologne-Eignern gehe es nur noch um unproblematische Kleinigkeiten, so die Sprecherin. Zum Preis - in der Branche wird seit längerem die Summe von 1,1 Mrd. DM gehandelt - wollte sie keine Aussagen machen.

Präzedenzfall für das Kartellamt

Für das Kartellamt ist die geplante indirekte Beteiligung der nach wie vor marktbeherrschenden Telekom an ihrem härtesten Wettbewerber im Kölner Raum ein Präzedenzfall. Der scheidende Telekom-Regulierer Klaus-Dieter Scheurle hatte vor einigen Wochen Bedenken gegen diese Verflechtung geäußert. Bei Übernahmen in der Telekommunikationsbranche hat der Regulierer ein Mitspracherecht.

Callahan-Partner David Colley, der das europäische Kabelgeschäft verantwortet, beteuert demgegenüber, dass die Telekom vertraglich auf den Part eines Finanzinvestors festgelegt sei: Vertrauliche Informationen über das operative Geschäft würden nicht an sie fließen. Netcologne würde daher eine starke Konkurrentin der Telekom bleiben. Vergleichbare Verträge hat Callahan laut Colley auch für die spanische Kabeltochter Ono mit der Telecom Italia geschlossen, die gleichzeitig Großaktionär der Ono-Konkurrenz Retevisión ist. Allerdings ist Retevisión in Spanien kein marktbeherrschender Anbieter auf dem Kabelnetz.

Weil es sich um einen Präzedenzfall handelt, wollen die beteiligten Unternehmen nicht ausschließen, dass die Prüfung länger dauern könnte als die vier Wochen, die für Routinefälle gelten. Die Frist läuft seit 16. November. Die weiterhin bestehende Dominanz der Deutschen Telekom im Fernsehkabel bleibt also ein Problem. Denn die Telekom hat ihre Mehrheit bislang erst an den Regionalgesellschaften NRW und Hessen verkauft, in Baden-Württemberg ist dies bis Januar vorgesehen. Diese Dominanz hat dazu geführt, dass die Prüffrist für den Einstieg der Telekom in die Pay-TV-Technikfirma Beta-Research der Kirch-Gruppe verlängert worden ist. Das Vorhaben hatten die beiden Unternehmen am 26. Oktober zur Genehmigung eingereicht. Bis zur Entscheidung nutzt das Kartellamt jetzt die auf vier Monate verlängerte Frist für Problemfälle.

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
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