Verhandlungen mit dem Medienunternehmer Ted Turner
Gazprom will NTW-Anteile offenbar verkaufen

Der russische Enegiekonzern RAO Gazprom will seine Anteile an dem Fernsehsender NTW angeblich verkaufen. Die Europäische Union hat sich unterdessen besorgt über die Pressefreiheit in Russland geäußert.

vwd/afp/rtr MÜNCHEN. "Wir suchen nach einem Investor", zitiert das Nachrichtenmagazin "Focus" in einer Vorabmeldung eine Gazprom-Sprecherin. "Aber in laufenden Verhandlungen wollen wir uns nicht näher äußern."

Das halbstaaliche Unternehmen hatte den Sender vor einer Woche übernommen, nachdem der Eigentümer Wladimir Gussiniskij seinen Verbindlichkeiten gegenüber Gazprom nicht mehr nachkommen konnte. Über die Deutsche Bank in London laufen seit Monaten Verhandlungen mit dem Medienunternehmer Ted Turner über eine Beteiligung an dem Fernsehsender, heißt es in dem Bericht.

Unterdessen ist Gussinski spanischen Medienberichten zufolge offenbar zum Verkauf seiner Anteile an NTW bereit. Wie die spanische Zeitung "El Pais" (Sonntagausgabe) berichtet, will Gussinski sämtliche Anteile an "egal wen" verkaufen. Seit der "illegalen Übernahme" des Senders durch Gazprom habe er kein Interesse mehr daran. Gussinsksi hält gegenwärtig 49,5 % der NTW-Anteile.

EU besorgt über Pressefreiheit in Russland

Nach der Übernahme des russischen Fernsehsenders NTW durch den staatlichen Gaskonzern Gazprom hat sich die Europäische Union (EU) besorgt über die Pressefreiheit in Russland geäußert. "Redefreiheit und Pluralismus in den Medien sind wesentliche demokratische Prinzipien und von zentraler Bedeutung für die Partnerschaft zwischen Russland und der EU", hieß es am Freitag in einer Erklärung Schwedens, das derzeit die EU-Ratspräsidentschaft inne hat.

Die EU sei daher äußerst beunruhigt über die jüngsten Entwicklungen in Russland. Schritte gegen NTW und andere Medien hätten die Besorgnis im In- und Ausland geweckt und Russlands demokratischen Bestrebungen geschadet.

NTW war bisher als einziger nicht-staatlicher Fernsehsender in ganz Russland zu empfangen. Gazprom hatte unter Berufung auf seine faktische Aktienmehrheit an NTW am 3. April eine NTW-Hauptversammlung einberufen und den Vorstand des Senders ausgewechselt. Die Belegschaft bezeichnete dies als illegal. Sie sieht den Vorgang als eine von Präsident Wladimir Putin betriebene Kampagne, den Sender mundtot zu machen. NTW hatte vor allem kritisch über den Tschetschenien-Krieg berichtet.

Nach der Übernahme von NTW war die Tageszeitung "Sewodnja" eingestellt und die Redaktion des Nachrichtenmagazins "Itogi" entlassen worden. "Sewodnja" und "Itogi" erscheinen im Verlag Sem Dnei, der genau wie NTW zur Media-Most Gruppe des Unternehmers Wladimir Gussinski gehört.

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