Verhandlungen mit Investmentgesellschaft Permira
Premiere-Übernahme könnte bald besiegelt sein

Die Übernahme des Pay-TV-Senders Premiere durch die Investmentgesellschaft Permira soll nach Angaben aus verhandlungsnahen Kreisen schon im Februar besiegelt werden.

Reuters FRANKFURT. "Ich wäre sehr überrascht, wenn der Deal nicht schon Mitte Februar abgeschlossen würde", sagte ein mit den Verhandlungen Vertrauter am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. Offiziell strebt Premiere den Abschluss bis Ende März 2003 an. Es gebe keine größeren Hindernisse auf dem Weg zum Abschluss der Verträge, hieß es. Ein wichtiges Thema sei allerdings die Einführung einer neuen, sichereren Verschlüsselungstechnologie, auf die auch der neue Mehrheitsgesellschafter bestehe. Experten schätzen, dass bis zu einer Million Schwarzseher Premiere mit gefälschten Zugangskarten empfangen und dem Sender damit Gebühren-Einnahmen in Millionenhöhe verloren gehen.

Premiere hatte seit der Insolvenz der Muttergesellschaft Kirch-Pay-TV im Mai 2002 nach einem Investor gesucht, der das Überleben des defizitären Senders sichert. Geschäftsführer Georg Kofler fuhr zudem einen massiven Sparkurs und führte eine neue Programmstruktur ein, mit der Premiere die Zahl der Kunden im Januar auf mehr als 2,6 Millionen steigerte.

Der Finanzinvestor Permira (früher Schroder Ventures Europe), der Beteiligungen unter anderem an dem Chemieunternehmen Cognis oder dem Komponentenhersteller Grammer hält, werde 220 Millionen Euro an frischem Kapital mitbringen, hieß es in den verhandlungsnahen Kreisen. Premiere-Chef Georg Kofler hatte den Finanzbedarf bis zum angepeilten Erreichen der Gewinnschwelle im ersten Quartal 2004 zuletzt mit 150 bis 200 Millionen Euro beziffert, sodass die Finanzspritze von Permira einen Spielraum für weitere Investitionen bieten dürfte. Das Geschäft entwickele sich zudem weiter über den Erwartungen, hieß es in den Kreisen. "Premiere kann die Gewinnschwelle leicht schon in diesem Jahr erreichen."

Permira will nach Angaben aus verhandlungsnahen Kreisen die Mehrheit an dem Abosender übernehmen, die Gläubigerbanken HVB Group und Bayerische Landesbank sowie das Management jeweils einen Minderheitsanteil. Auf die Rückzahlung ihrer Altkredite von 750 Millionen Euro wollen die Banken verzichten, bis Premiere wieder schwarze Zahlen schreibt.

Premiere hat bereits angekündigt, in diesem Jahr eine neue Verschlüsselungstechnologie einführen zu wollen, um die Piraterie einzudämmen. "Wir sind mit mehreren Anbietern im Gespräch", sagte ein Premiere-Sprecher. Das geschehe im Konsens mit dem zukünftigen Mehrheitsgesellschafter. Die neue Technologie soll sicherer sein, darf gleichzeitig aber nicht zu hohe Lizenzkosten verursachen, die zwischen 50 und 80 Cent pro Monat und Abonnent liegen. Branchenkreisen zufolge spricht Premiere unter anderem mit der franzsösischen Canal Plus Technology und der Schweizer Technologiefirma Kudelski über ein neues Verschlüsselungssystem. Die bisherige Betakrypt-Technologie könnte allerdings auch weiterentwickelt werden.

Auf jeden Fall müssen für ein neues Verschlüsselungssystem die Zugangskarten aller Abonnenten ausgetauscht werden. Die Kosten dafür könnten aber mit einem Zuwachs an Kunden kompensiert werden, denn einige Schwarzseher würden sich wahrscheinlich für ein reguläres Abonnement entscheiden. Diese Quelle an Neuabonnentenen sei nicht in den Planzahlen enthalten, hieß es bei Premiere.

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