Verhandlungen mit Kirch gehen dennoch weiter
Haffa gibt nicht genehmigten Aktienverkauf zu

Der angeschlagene Lizenzhändler EM.TV kommt nicht zur Ruhe: Entgegen früheren Aussagen räumte Vorstandschef Haffa ein, ohne Erlaubnis der Banken 200 000 Aktien verkauft zu haben.

DÜSSELDORF/MÜNCHEN. Die Situation der EM.TV & Merchandising AG , Unterföhring, wird immer prekärer. Seit Wochen gibt es Spekulationen, dass der geplante Einstieg der Kirch-Gruppe, Ismaning, bei EM.TV gefährdet sei. Gestern wurde zudem bekannt, dass der EM.TV-Chef nun doch ohne die Genehmigung der Konsortialbanken 200 000 Aktien seiner Firma zum Preis von rund 100 Euro pro Stück Mitte Februar vergangenen Jahres verkauft hat. Laut "Spiegel Online" vom Dienstag hat auch der frühere EM.TV-Finanzvorstand Florian Haffa über seinen Anwalt den Verkauf von Aktien in den vergangenen zwölf Monaten mitgeteilt. Dabei habe er aber nicht die Anzahl der verkauften Papiere genannt. Derzeit dümpelt der Aktienkurs bei rund sechs Euro. Auslöser des Kurssturzes waren drastisch reduzierte Gewinnprognosen Ende vergangenen Jahres.

Bisher hatte Haffa erklärt, die Bestimmungen bei der Kapitalerhöhung im November 1999 nicht verletzt und die West LB, Düsseldorf, informiert zu haben. Bei der Kapitalerhöhung hatte er mit den Konsortialbanken vereinbart, sechs Monate lang keine Papiere seines Unternehmens zu verkaufen.

Bei einem Verfahren gegen den Börsenbrief-Herausgeber Egbert Prior in Mainz, zu dem Haffa als Zeuge geladen war, bekannte der EM.TV-Chef gestern "seinen Fehler". Er sei von strategischen Investoren zu dem Verkauf der Aktien im Wert von rund 40 Mill. DM gedrängt worden. Der Deal hat - wie EM.TV gestern bestätigte - außerbörslich stattgefunden.

Die WestLB will dennoch keine rechtlichen Schritte gegen den umstrittenen Vorstandschef unternehmen. Ein Sprecher der Bank sagte dem Handelsblatt: "Vertragliche Sanktionen sind nicht vorgesehen." Auch die Deutsche Börse wird ihre Strategie gegen EM.TV nach dem Geständnis Haffas nicht ändern. Dort wird zurzeit geprüft, ob Haffa gegen Haltefristen verstoßen habe, die in Prospekten oder Geschäftsberichten veröffentlicht worden sind. Denn dann sei ein Verstoß dagegen gleichzeitig auch eine Verletzung des Börslichen Regelwerks, erklärt die Deutsche Börse. Die Konsequenz könnten Sanktionen von der Abmahnung bis hin zum Delisting sein.

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Düsseldorf, und Rechtsanwälte prüfen derzeit, ob eine Prospekthaftungsklage der Anleger auch gegen die beteiligten Banken möglich ist. Die Tatsache, dass die WestLB die Verkäufe nicht genehmigt habe, besage noch nicht, dass sie davon auch nicht wusste, sagte Anlegeranwalt Andreas Tilp dem Handelsblatt.

Die Verhandlungen zwischen Kirch und EM.TV gehen trotz der Spekulationen um schwer wiegende Interessensunterschiede weiter, wie beide Unternehmen bekräftigten.

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