Verhandlungen mit Kirchgruppe gescheitert
Fußball-WM wird nicht mehr von ARD und ZDF übertragen

Die Fußball-Weltmeisterschaft wird im kommenden Jahr erstmals seit 1954 aller Voraussicht nach nicht live im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu sehen sein.

Reuters MÜNCHEN. Die Kirch-Gruppe und die Sender ARD und ZDF erklärten ihre monatelangen Verhandlungen über ein Übertragungsrechtpaket der WM in Japan und Südkorea 2002 am Mittwoch für gescheitert. Die Gespräche seien ohne Abschluss beendet worden, teilten alle drei Verhandlungspartner mit. Es habe auch keine Einigung über ein Rechtepaket für die WM 2006 in Deutschland gegeben.

Kirch kündigte an, nun mit Privatsendern zu verhandeln. Die Spiele seien auf jeden Fall im werbefinanzierten, frei empfangbaren Fernsehen zu sehen. Der Sender RTL zeigte Interesse an beiden Turnieren.

Seit Beginn der WM-Fernsehübertragungen im Jahre 1954, als Deutschland in der Schweiz zum ersten Mal Weltmeister wurde, waren die Turniere stets im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gezeigt worden.

WM 2006 in Deutschland besonders attraktiv

Das WM-Turnier in fünf Jahren ist für die Werbewirtschaft besonders interessant, weil Deutschland als Gastgeber bereits automatisch qualifiziert ist. Der Münchener Medienmogul Leo Kirch hatte sich die Rechte für die WM 2002 und 2006 gesichert. Die Verhandlungsführer von ARD und ZDF hatten sich im Januar bereits mit Kirch geeinigt, 25 Spiele der Fußball-WM 2002 zu kaufen. Der Preis lag nach Zeitungsberichten bei 225 Millionen Mark.

Die ARD-Intendanten hatten die Einigung aber abgelehnt. Vor allem in der ARD stieß das Verhandlungsergebnis auf Kritik, weil den öffentlich-rechtlichen Sendern von Kirch kein verbindliches Vorkaufsrecht für die WM 2006 zugesichert wurde.

Live-Übertragungen für die WM 2002 in Japan und Südkorea sind für die Werbewirtschaft weniger interessant, weil die Spiele wegen der Zeitverschiebung am Vormittag gezeigt werden. Die Mannschaft von Rudi Völler muss sich zudem erst qualifizieren. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) schied zuletzt bei der Europameisterschaft im Sommer 2000 in der Vorrunde aus.

Der ARD-Vorsitzende Fritz Pleitgen erklärte, Kirch sei nicht bereit gewesen, eine Regelung für die WM 2006 zu finden. Dies sei jedoch unverzichtbar gewesen. Kirch teilte mit, die Gespräche seien gescheitert, weil die ARD-Intendantenkonferenz das Verhandlungsergebnis abgelehnt habe. Nach Angaben des ZDF hatten die beiden Sender angeboten, Teile der Rechte für die WM 2006 mit den Übertragungsrechten für die Olympischen Spiele zu tauschen, wofür die öffentlichen Anstalten die Rechte bis 2008 besitzen.

Kirch hatte 800 Millionen Mark für WM 2006 verlangt

Kirch hatte Presseberichten zufolge 800 Millionen Mark für die Rechte der WM 2006 verlangt. ZDF-Intendant Dieter Stolte erklärte, er bedauere, dass Indiskretionen die Gespräche zum Scheitern gebracht hätten. Nach Medienberichten war Stolte mit dem Verhandlungsergebnis zufrieden gewesen.

Ein Kirch-Sprecher sagte, das Unternehmen wolle die Rechte nun an einen der übrigen Anbieter von werbefinanziertem Fernsehen verkaufen. Dazu zählten Sat.1, an dem Kirch über die Pro-Sieben/Sat.1 Media AG die Mehrheit hält, und der Kölner Sender RTL. Die erwarteten Erlöse aus den Rechten seien bei den privaten Sendern voraussichtlich höher als bei ARD und ZDF, hieß es bei Kirch.

RTL zeigte sich interessiert

Der zum Bertelsmann-Konzern gehörende Privatsender RTL zeigte sich an der Übertragung der Fußball- Weltmeisterschaften 2002 und 2006 interessiert.
Informationsdirektor Hans Mahr sagte Reuters, RTL sei gesprächsbereit. Die Fußball-WM würde gut zu dem Programm des Senders passen.

RTL überträgt bereits Sportereignisse wie die Formel Eins, die Champions League und die prestigeträchtige Vierschanzentournee. RTL warte nun ab, ob Kirch auf den Sender zukomme, sagte Mahr.

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