Verhandlungen mit religiösen und ultrarechten Parteien geplant
Scharon sucht weitere Koalitionspartner

Nach der Koalitionszusage der Arbeitspartei sucht der künftige israelische Ministerpräsident Ariel Scharon nach weiteren Partnern für eine Regierung der nationalen Einheit. Vertreter seines rechtsgerichteten Likud-Blocks sollten am Dienstag Gespräche mit den ultraorthodoxen Parteien Schas und Vereinte Tora-Liste aufnehmen. Scharon hoffe, Anfang kommender Woche sein Kabinett vorstellen zu können, sagte dessen Sprecher Ranan Gissin.

afp JERUSALEM. Dann will auch die Arbeitspartei ihre acht Minister benennen, die dem Regierungsbündnis unter Scharon angehören sollen. Die Palästinenser reagierten zurückhaltend auf die Entscheidung der Partei des scheidenden Ministerpräsidenten Ehud Barak. Unterdessen nahm die israelische Polizei an der Grenze zu Jordanien den Bruder des Fatah-Chefs im Westjordanland fest.



Mit der Entscheidung der Arbeitspartei sei ein wichtiges Hindernis ausgeräumt, sagte Gissin. Nun müsse noch die Übereinstimmung mit dem nationalen Lager erreicht werden. Koalitionsgespräche sollten auch mit der Nationalreligiösen Partei, der russischen Einwandererpartei Israel Be Alija sowie den beiden ultrarechten Parteien Israel Beteinu und Nationale Union geführt werden. Scharon will außerdem versuchen, den Abgeordneten Dan Meridor von der Zentrumspartei sowie die Brüder David und Maxim Levy von der Gescher-Partei in die Regierungsarbeit einzubinden. Scharon hat bis Ende März Zeit für die Regierungsbildung. Sollte ihm dies nicht gelingen, müsste er Neuwahlen ausrufen.



Die Arbeitspartei des scheidenden Ministerpräsidenten Ehud Barak soll die Ministerien für Verteidigung, Auswärtiges, Handel, Industrie, Wissenschaft und Landwirtschaft sowie zwei Posten ohne Ressortzuteilung erhalten. Die ursprünglich für Donnerstag geplante Wahl der Minister durch das Zentralkomitee sei auf Anfang kommender Woche verschoben worden, um möglichen Kandidaten etwas Zeit zu geben, sagte Parteisprecher Ranan Cohen.



Palästinenser reagieren zurückhaltend



Das Zentralkomitee hatte am Montagabend für die Beteiligung an einer Regierung der nationalen Einheit gestimmt. Allerdings nahmen mit 753 von insgesamt 1700 Delegierten nicht einmal die Hälfte an der Wahl teil. Nach einer hitzigen, fünfstündigen Debatte stimmten zwei Drittel der Anwesenden für eine Koalition. Für die Zusammenarbeit mit dem Likud-Block hatte sich vor allem der 77-jährige ehemalige Ministerpräsident und Friedensnobelpreisträger Schimon Peres ausgesprochen, der für das Amt des Außenministers vorgesehen ist.



Die Palästinenser reagierten zurückhaltend auf die Entscheidung der Arbeitspartei. Es handle sich um eine innere israelische Angelegenheit, sagte der Unterhändler Sajeb Erakat in Gaza.



Die israelische Polizei nahm in der Nacht zu Dienstag den Bruder eines führenden Mitglieds der Fatah-Bewegung von Palästinenserpräsident Jassir Arafat fest. Hischam Barguti, Bruder des Fatah-Chefs Marwan Barguti, habe ein Nachtsichtgerät bei sich gehabt, das für militärische Zwecke verwendet werden könne, teilte das Militär mit. Israel wirft Marwan Barguti vor, maßgeblich für die Gewalt in den Palästinensergebieten verantwortlich zu sein.



Bei Zusammenstößen zwischen Palästinensern und Soldaten in Beit Rima bei Ramallah im Westjordanland wurden am Dienstag fünf Palästinenser verletzt. Krankenhausangaben zufolge wurden sie von gummiummantelten Geschossen getroffen. In Ramallah nahmen etwa tausend Menschen an der Beerdigung eines 17-Jährigen teil, der am Vorabend im Flüchtlingslager Kalandia von israelischen Soldaten erschossen worden war. Seit dem Ausbruch der Gewalt Ende September wurden 420 Menschen getötet, die meisten von ihnen Palästinenser.

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