Verhandlungen mit Senat laufen bereits
Angebot für Bank Berlin: Bislang kein Jubelruf

Das Angebot einer internationalen Investorengruppe zur einer Übernahme der finanziell angeschlagenen Bankgesellschaft Berlin ist zurückhaltend positiv aufgenommen worden.

rtr BERLIN. "Ich würde jetzt nicht in den Jubel miteintreten", sagte der Arbeitnehmervertreter im Bankaufsichtsrat, Hartmut Friedrich, am Freitag. Die Offerte müsse von unten und oben genau beleuchtet werden. Das Land Berlin als Mehrheitseigner lehnte eine Bewertung ab, da noch kein konkretes Angebot der Investoren um den Amerikaner J. Christopher Flowers vorliege. Flowers hatte am Donnerstag erklärt, er sei bereit zur einer Übernahme der Bank als "Ganzer". Aus der rot-grünen Regierungskoalition in Berlin hieß es: "Die bisherige Offerte ist keine solche Verlockung für den Senat wie zuletzt in der Öffentlichkeit dargestellt."

Das Konzept von Flowers muss nach Auffassung von Aufsichtsratsmitglied Friedrich mit Vorsicht behandelt werden. "Irgendwo muss der Haken sein", sagte der Verdi-Vize-Chef von Berlin/Brandenburg. Ob Flowers seine Zusage halten könne, es werde keine betriebsbedingten Kündigungen geben, sei offen. "Da muss der Senat aufpassen, dass er das nicht in ein, zwei Jahren als Bumerang zurückbekommt." Langfristig sei klar, dass es in den kommenden zehn Jahren in der Bankenbranche vor allem wegen zunehmender Technologisierung einen Personalabbau von etwa 20 bis 30 % geben werde. Auch die am Berliner Übergangssenat beteiligten Grünen hatten sich zum Flowers-Angebot in der Frage der Arbeitsplätze vorsichtig geäußert.

"Der Senat steht nicht unter Zeitdruck"

Sollte der Senat noch vor der Wahl am 21. Oktober eine Lösung für die Bankgesellschaft finden, kann der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) nach Einschätzung Friedrichs mit einem starkem Auftrieb rechnen. "Mit Blick auf die Wahl steht der Senat bei der Banksanierung nicht unter Zeitdruck", sagte dazu eine Sprecherin von Finanzsenatorin Christiane Krajewski (SPD). Das Angebot der Investorengruppe ließe sich nicht bewerten, da schriftlich noch nichts konkret vorliege.

Flowers hatte mitgeteilt, die Zusammensetzung des Konsortiums für die Bankgesellschaft sei ähnlich wie die Investorengruppe, die im vorigen Jahr die japanische Bank Long Term Credit Bank übernommen habe. Konsortialpartner seien damals unter anderem gewesen die ABN Amro-Gruppe, die spanische Banco Santander, die kanadische Bank Nova Scotia und der US-Konzern General Electric. Flowers ist Direktor des japanischen Geldinstituts, das heute Shinsei Bank heißt.

Kein Kommentar von der NordLB

Auch die Norddeutsche Landesbank, mit 20 % zweitgrößter Eigner der Bankgesellschaft nach dem Land Berlin (56,6 %), äußerte sich nicht zu der Offerte. Diese zu bewerten sei Sache Landes Berlin als Mehrheitseigner, sagte ein Sprecher des niedersächsischen Finanzministers und NordLB - Aufsichtsratsvorsitzenden Heinrich Aller (SPD). "Wir sind immer davon ausgegangen, dass Berlin mit mehreren Interessenten spricht." Aller und seine Berliner Kollegin Krajewski hatten vereinbart, dass unmittelbar nach der Hauptversammlung der Bankgesellschaft am 29. August Gespräche über die Offerte der NordLB beginnen sollen. Davon will die NordLB auch ihre Entscheidung abhängig machen, ob sie sich an der Kapitalerhöhung beteiligt. Vor allem wegen Verlusten im Immobiliengeschäft hat die Bankgesellschaft einen Kapitalbedarf von zwei Mrd. ?.

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