Verhandlungen mit T-Systems, Siemens und IBM über Milliardenauftrag eingestellt – Schwachstelle im Konsortium um CSC bleibt Mobilcom
CSC ist Favorit für IT-Auftrag der Bundeswehr

Die Bundeswehr will sich für 6,5 Milliarden Euro mit moderner Informationstechnologie ausrüsten. Nach dem Auftrag leckt sich die ganze Branche die Finger. Doch nicht das Konsortium der drei Marktführer, sondern die Bietergruppe aus CSC Ploenzke, Mobilcom und EADS liegt in der Gunst des Verteidigungsministeriums vorne.

ew/jkn/tnt FRANKFURT/BERLIN. Der IT-Dienstleister CSC-Ploenzke hat einen wichtigen Etappensieg im Kopf an Kopf Rennen um den Milliarden-Auftrag "Herkules" der Bundeswehr errungen. Der Auftrag umfasst die Ausrüstung der Bundeswehr mit moderner Informationstechnologie in den nächsten 10 Jahren. Das Konsortium ISIC 21, zu dem neben CSC, das Telekom-Unternehmen Mobilcom sowie der Rüstungskonzern EADS gehören, sind nach einer internen Prüfung der Angebote der derzeit vom Verteidigungsministerium favorisierte Anbieter. Die Entscheidung bedeutet eine schwere Schlappe für die deutschen Technologiekonzernen Deutsche Telekom und Siemens: Deren Töchter T-Systems und Siemens Business Service (SBS) bilden zusammen mit IBM das konkurrierende Konsortium.

"Das Ranking ist abgeschlossen. Wir werden jetzt in die Due-Dilligence-Phase mit dem Erstplazierten eintreten; und das ist ISIC 21", erklärte Michael Kötting, Sprecher des Verteidigungsministeriums. Unter der Hand sprechen leitende Beamte sogar von einem klaren Vorsprung des Ploenzke-Truppe. In den kommenden Wochen wird die Bundeswehr nun ausschließlich mit ISIC 21 weiterverhandeln. "Mit denen zu verhandeln, lohnt sich deutlich eher", sagte ein Beamter dem Handelsblatt. Unter anderem sei dieses Konsortium flexibler. Ein Grund dafür: Ploenzke ist der klare Konsortialführer. Im Unterschied dazu traten die Konkurrenten als gleichberechtigtes Trio auf - langwierige Abstimmungsprozesse waren die Folge.

"Herkules" ist der Name eines bislang riesigen IT-Auftrags mit dem Ziel eine einheitliche Kommunikations- und IT-Infrastruktur für die Streitkräfte. Unter anderem soll die betriebswirtschaftlichen Standardsoftware des Walldorfer Softwarehauses SAP eingeführt werden. Dies wäre das größte SAP-Projekt in Europa.

Sowohl beim IT-Konzern IBM als auch bei der Telekom-Tochter T-Systems zeigte man sich von den Äußerungen des Ministeriums überrascht. "Kein Kommentar zu laufenden Bieterverfahren", hieß es übereinstimmend von beiden Unternehmen. Das Projekt ist in der IT-Branche heiß umkämpft. Schließlich will der Bund in den kommenden 10 Jahren jeweils 650 Mill. Euro per anno bereitstellen.

Gleichzeitig versucht sich die Bundeswehr auf völlig neuem Terrain. Geplant ist, das Projekt an eine neue Gesellschaft auszulagern (Outsourcing), an der der Bund mit knapp unter 50 % und die Mitglieder des Konsortiums mit 50,1 % beteiligt sind. Damit gilt "Herkules" in Branchenkreisen als wohl wichtigstes Pilotprojekt für weitere "Public-pivate-Partnerships".

Der Beschluss, künftig nur noch das ISIC-Angebot prüfen zu wollen, ist zwar noch kein Vertragsabschluss. Dennoch deutet die Favoritenrolle darauf hin, dass Ploenzke, EADS und Mobilcom das IT-Projekt weitgehend abwickeln werden.

Allerdings wird im Umfeld des Verteidigungsministeriums und der Konsortien nicht ausgeschlossen, dass am Ende auch Bieter aus der jetzt unterlegenen Gruppe mit von der Partie sind. Vor allem Mobilcom gilt als Schwachpunkt des ISIC-Konsortiums. So bestehen Zweifel über die Zukunft des Unternehmens, oder aber es kommt zu einer Übernahme durch France Télécom. Dass das Konsortium bei einer unklaren oder ungünstigen Nachfolgeregelung für Mobilcom die Mehrheit im Bundestag gewinnen könnte, gilt in den Vergabekreisen als fraglich.

Offen ist auch, wie schnell "Herkules" umgesetzt werden kann. Kötting wollte keine Prognose wagen, wie lange die weitere Prüfung dauern wird. "Wir tun unser Bestes", sagt er auf die Frage, ob ein Vertragsabschluss noch vor der Bundestagswahl möglich sei. Allerdings hat der Haushaltsausschuss des Bundestages noch gar nicht über die erforderlichen Mittel entschieden. Das letzte Wort haben die Parlamentarier, und die nötigen Beschlüsse wird wohl erst der neue Bundestag Ende November verabschieden.

Die Entscheidung zu Gunsten der ISIC-Gruppe kommt recht überraschend. In der Vergangenheit war immer wieder über eine bevorzugte Behandlung des Konsortiums mit T-Systems spekuliert worden. Der Grund: Der Bund ist als Auftraggeber zugleich Großaktionär der T-Systems-Mutter Deutsche Telekom. Auch von Korruptionsverdacht war die Reden, das Ministerium stellte Ermittlungen dazu inzwischen allerdings ein.

Die Vorentscheidung kommt trotz der klaren Favoritenrolle von Ploenzke noch keiner Vergabe gleich. So spekulieren Marktkenner darüber, warum die wackelige Situation von Mobilcom im Ranking formal nicht gewichtet worden ist. Insider vermuten, dass sich die Hardthöhe "T-Systems in Stand-by- Position" hält.

Quelle: Handelsblatt

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