Verhandlungen mit Zulieferern über Risiko-Partnerschaften sind fortgeschritten
Leasinggesellschaften sollen die ersten Luftschiffe kaufen

Trotz des Verlusts von fast 68 Mill. Euro im letzten Jahr, sieht sich das Luftschiffunternehmen voll im Plan. Erste Gewinne werden erstmals 2004 erzielt werden können. Die Serienfertigung der "Zeppeline", die bis zu 160 Tonnen schwere Lasten über weite Strecken transportieren sollen, beginnt im Herbst.

kol/mwb BERLIN. Das Logistikunternehmen Cargolifter AG hat im abgelaufenen Jahr einen Konzernverlust in Höhe von 67,9 Mill. Euro erzielt. Das Unternehmen, das Luftschiffe zum Transport von besonders schweren und sperrigen Lasten entwickeln und bauen will, sieht sich damit voll im Plan. Die Gewinnschwelle will das Unternehmen erstmals im Geschäftsjahr 2004/2005 (Stichtag: 31.8.) erreichen, wenn auch die Serienferigung der Luftschiffe beginnen soll. Im ersten Quartal dieses Jahres hat Cargolifter einen Verlust von 27 Mill. Euro gemacht.

Bei der ersten Bilanzvorlage nach dem Börsengang im Mai vergangenen Jahres hat Finanzvorstand Karl Bangert die Liquiditätssituation des Unternehmens als gut bezeichnet. Zum Jahresende beliefen sich die liquiden Mittel auf 106, 8 Mill. Euro. "Damit verfügen wir noch über nahezu alle Mittel des Börsengangs", betonte Bangert. Mit der Platzierung von 6,4 Mill. Aktien hatte das Unternehmen 97 Mill. Euro erlöst. Dank einer vorangegangenen Privatplatzierung und weiterer Finanzierungsschritte hatte Cargolifter jedoch insgesamt Mittel in Höhe von 620 Mill. Euro eingesammelt.

Das größte Einzelinvestment im vergangenen Jahr war der Bau der Werfthalle am Produktionsstandort Brand, in die Cargolifter bisher 79,8 Mill. Euro investiert hat, ein gutes Drittel davon im Geschäftsjahr 1999/2000. Mittlerweile hat Cargolifter auch die Auflage der Investitionsbank des Landes Brandenburg erfüllt, 239 Arbeitsplätze auf der Luftschiffwerft zu schaffen. Nur unter dieser Bedingung zahlt das Land die Fördermittel in Höhe von 39,4 Mill. Euro aus. Im vergangenen Geschäftsjahr bis Ende August wurde die Mitarbeiterzahl im Konzern von 156 auf 308 Mitarbeiter fast verdoppelt. Derzeit beschäftigt Cargolifter bereits 380 Mitarbeiter.

Aktie liegt unter Ausgabekurs

In diesem Jahr ist die Ausgabe einer weiteren Anleihe geplant, über deren Höhe und genauen Zeitpunkt der Cargolifter-Vorstand jedoch noch keine Aussage machen wollte. "Im Prinzip reichen unsere liquiden Mittel noch für ein Jahr", sagte Finanzvorstand Bangert. Die Anleihe würde dann platziert, so Bangert, wenn der "aktuelle Börsenkurs den Schritt vernünftig begleitet". Zurzeit liegt die Aktie mit rund 10 Euro deutlich unter dem Ausgabepreis von 15 Euro.

Nachdem die Werfthalle fertigestellt ist, will Cargolifter nun die Produktion für den ersten Prototypen des Transportluftschiffes CL 160 aufbauen. Dazu sollen auch Zulieferunternehmen aus der Luft- und Raumfahrtindustrie als Risikopartner in die Entwicklung und Produktion mit einbezogen werden.

Als erster Produktionsschritt wird im Moment in der Halle ein heliumgefüllter Lastballon mit 61 Metern Durchmesser aufgebaut. Während das Serienluftschiff 160 Tonnen Tragkraft haben wird, kann dieser CL 75 TT genannte Ballon bereits Lasten bis zu 75 Tonnen tragen. An dem Ballon sollen Tests am Hüllenmaterial, zur Lastaufnahme und zur Befüllung durchgeführt werden. Parallel dazu werden Teile für den ersten Prototypen gefertigt. Die eigentliche Produktion beginnt dann im Herbst.

Neue Infrastruktur für Logistik aufbauen

Cargolifter will nicht nur das weltweit erste Transportluftschiff bauen. Vergrößert wird die Herausforderung für das Unternehmen dadurch, dass auch die gesamte Infrastruktur für die Logistik neu aufgebaut werden muss. "Sie können das Luftschiff nicht einfach an jemanden verkaufen, denn es gibt ja bisher keinen Betreiber und kaum Luftschiffpiloten", beschreibt Cargolifter-Chef Carl von Gablenz die Situation. Deshalb plant Cargolifter, die ersten Serienexemplare an Finanzierungsgesellschaften zu verkaufen und anschließend zurückzuleasen.

Finanzvorstand Bangert räumte ein, dass dieses Sale-and-Lease-back-Verfahren, für das zurzeit erste Szenarien entwickelt würden, auch eine Voraussetzung dafür sei, wie geplant bereits im ersten Jahr des eigentlichen Betriebs den Break Even zu erreichen. Welche Höhe dann die kumulierten Verluste angenommen haben werden, wollte er nicht präzisieren. Ein echter Bilanzgewinn, so Bangert, sei jedoch erst einige Jahre später zu erwarten.

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