Verhandlungen offiziell beendet
IG Metall leitet Urabstimmung ein

Nach dem Scheitern der Tarifverhandlungen für die Metallbranche will die IG Metall ihre Forderungen nun mit einem Streik in Baden-Württemberg und im Bezirk Berlin/Brandenburg durchsetzen.

Reuters HAMBURG. Der IG-Metall-Vorstand beschloss am Dienstag in Frankfurt, in beiden Bezirken sollten die Mitglieder zwischen Donnerstag und nächstem Dienstag in einer Urabstimmung darüber entscheiden. In Gewerkschaftskreisen wurde nicht ausgeschlossen, dass Spitzenvertreter beider Seiten unmittelbar vor einem möglichen Streikbeginn am 6. Mai nochmals versuchen könnten, den Tarifkonflikt beizulegen. Gewerkschaftschef Klaus Zwickel sagte, er könne für weitere Gespräche vor der Urabstimmung gegenwärtig keine Ansatzpunkte erkennen. Die Forderung der Arbeitgeber nach einem Schlichter lehnte die Gewerkschaft umgehend ab. Unions-Fraktionschef Friedrich Merz forderte Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) auf, eine Runde im Bündnis für Arbeit einzuberufen, um einen Streik zu verhindern.

Zwickel glaubt an Votum für Streik

Nach dem Scheitern der Verhandlungen im traditionellen Pilotbezirk Baden-Württemberg Ende vergangener Woche hatten auch die anderen IG-Metall-Bezirke die regionalen Gespräche für gescheitert erklärt und Urabstimmungen beantragt. Zwickel äußerte sich überzeugt, dass bei den Urabstimmungen die für einen Streik nötige Zustimmung von 75 % der Gewerkschaftsmitglieder erreicht wird. Ein Streik sei zudem kein nationales Unglück, sondern das Recht der Gewerkschaften. Durch Streiks und Aussperrungen seien in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren je 1000 Beschäftigten gerade einmal elf Arbeitstage verloren gegangen. In den USA seien es hingegen 51, in Italien 130 und Spanien sogar 327 Streiktage gewesen.

Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser forderte die IG Metall auf, mit Hilfe eines Schlichters eine Lösung zu suchen. Als Reaktion auf die von der IG Metall angekündigte flexible Streiktaktik schloss er zugleich Aussperrungen in einzelnen Betrieben nicht aus. Zwickel lehnte die Forderung nach einem Schlichter ab und erklärte, wenn es den Arbeitgebern um eine Lösung am Verhandlungstisch gegangen wäre, hätten sie ein deutlich höheres Lohnangebot unterbreitet.

IG Metall hat zuletzt vor sieben Jahren gestreikt

Der letzte große Arbeitskampf in der Metall- und Elektrobranche in Deutschland liegt sieben Jahre zurück. Damals setzte die IG Metall in Bayern in einem zweiwöchigen Streik zwei Erhöhungsschritte beim Lohn im Gesamtvolumen von vier Prozent durch. Der Abschluss stürzte den Arbeitgeberverband Gesamtmetall nach zahlreichen Austritten von Unternehmen in eine tiefe Krise, in deren Folge auch die Führungsspitze ausgewechselt wurde. Ein Sprecher des Arbeitgeberverbandes in Bayern bestätigte Reuters auf Anfrage, dass vor dem nun erwarteten Streik drei Unternehmen aus dem Verband und damit dem Flächentarifvertrag ausgetreten seien.

Auf beiden Seiten geht man nun davon aus, dass ein Abschluss unterhalb von vier Prozent immer schwieriger durchzusetzen sein dürfte, je länger der Tarifstreit andauert. Die Arbeitgeber scheuen höhere Lohnprozente und nehmen nach Angaben aus ihren Kreisen in der Autoindustrie lieber einen Streik in Kauf. Ein Arbeitskampf aber schürt häufig die Erwartungshaltung der Streikenden zusätzlich. Die Gewerkschaft steht unter dem Druck ihrer Basis, die getragen durch hohe Lohnforderungen von Beschäftigten der Autoindustrie im Süden und Südwesten kaum eine Erhöhung unter vier Prozent akzeptieren würde. Gewerkschaftschef Zwickel hat wiederholt gesagt, das größtes Problem der IG Metall in dieser Tarifrunde bestehe darin, die hohen Erwartungen der Mitgliedschaft zu befriedigen.

In Gewerkschaftskreisen wurde für möglich gehalten, dass Zwickel und Kannegiesser nach dem 1. Mai einen neuen Versuch unternehmen werden, um einen Streik in letzter Minute abzuwenden. "Ich kann mir gut vorstellen, dass nochmal Verhandlungen stattfinden, dann allerdings nicht mehr auf regionaler Ebene, sondern zwischen den beiden Spitzen", sagte ein hoher IG-Metall-Funktionär.

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