Verhandlungen so gut wie abgeschlossen
Mobilcom-Rettung soll am Freitag stehen

Die Rettung des angeschlagenen Mobilfunkanbieters Mobilcom steht offenbar unmittelbar bevor. Wie die Nachrichtenagentur Reuters aus verhandlungsnahen Kreisen erfuhr, stehen die Verhandlungen über ein Finanzpaket einschließlich der Übernahme der UMTS-Schulden durch France Telecom vor einem Abschluss.

Reuters HAMBURG. Das Finanzkonzept solle an diesem Freitag verkündet werden, hieß es. Damit würde ein seit Monaten dauernder Streit zwischen Mobilcom und Noch-Anteilseigner France Telecom beendet, der die Existenz des Büdelsdorfer Unternehmens bedroht.

Aus den Kreisen hieß es am Donnerstag, die Gespräche mit France Telecom über eine Übernahme von Mobilcom-Verbindlichkeiten von annähernd sieben Milliarden Euro seien so gut wie abgeschlossen. Gesprochen werden müsse bis zur geplanten Verkündung des Konzepts am Freitag noch über einige Details. "Im Grundsatz steht die Sache", hieß es. Ein Mobilcom-Sprecher wollte dies nicht kommentieren. Für den späten Nachmittag wurde eine Mitteilung zu der von Mobilcom beantragten erneuten Verlängerung der am Donnerstag auslaufenden Zahlungsfrist für die UMTS-Kredite über 4,7 Milliarden Euro erwartet. Wenn die Banken diese Darlehen fällig stellen würden, müsste Mobilcom wegen Überschuldung umgehend Insolvenz anmelden. Die Zahlungsfrist war seit Juli bereits drei Mal verlängert worden.

Bei den Mobilcom-Schulden geht es einschließlich Lieferantenkrediten um insgesamt 5,8 Milliarden Euro zuzüglich eines Gesellschafterdarlehens von rund einer Milliarde, das France Telecom den Büdelsdorfern für den UMTS-Aufbau gewährt hatte. Damit liegt die Gesamtsumme, für deren Übernahme das französische Unternehmen bereits grundsätzliche Bereitschaft erklärt hat, bei annähernd sieben Milliarden Euro.

Mobilcom hatte vor zwei Jahren mit Hilfe von France Telecom für 8,4 Milliarden Euro eine der sechs deutschen UMTS-Lizenzen erworben. Über die weiteren Kosten und vor allem das von dem damaligen Unternehmenschef Gerhard Schmid eingeschlagene Tempo beim Aufbau des Mobilfunks der nächsten Generation waren die Partner in Streit geraten, der schließlich zur Abberufung Schmids als Vorstandschef führte. Als die ebenfalls hoch verschuldete France Telecom im September schließlich ihr Engagement bei Mobilcom aufkündigte, stand das Unternehmen vor dem finanziellen Aus.

Daraufhin hatte die Bundesregierung unmittelbar vor den Bundestagswahlen eine Finanzhilfe der Kreditanstalt für Wiederaufbau und Kieler Landesbank über insgesamt 400 Millionen Euro vermittelt. Im Rahmen seiner Sanierung will Mobilcom fast die Hälfte der rund 5000 Arbeitsplätze streichen und das UMTS-Geschäft einfrieren.

Verhandelt wird den Angaben aus den verhandlungsnahen Kreisen zufolge noch über Einzelheiten des Beitrags der Banken zu dem Gesamtkonzept sowie über die von Mobilcom-Gründer Schmid zugesagte Übertragung seiner Aktien auf einen Treuhänder. Im Rahmen des von der Bundesregierung zur Abwendung der drohenden Insolvenz vermittelten Finanzpakets werde der Bund über die bereits ausgezahlten 50 Millionen Euro hinaus noch etwas mehr besichern müssen, hieß es aus den Kreisen weiter. Ferner geht es bei den laufenden Verhandlungen den Angaben zufolge um die Bereitstellung von rund 100 Millionen Euro aus dem 400-Millionen-Euro-Gesamtpaket, die von einem Bankenkonsortium bereitgestellt werden sollen. Mit diesen Mitteln sollen akute Liquiditätsengpässe bei Mobilcom überbrückt werden.

Eine Sprecherin Schmids sagte, der Mobilcom-Gründer bevorzuge weiterhin den früheren Thyssen-Chef und Mobilcom-Aufsichtsrat Dieter Vogel als Treuhänder. Von Vogel sei diesbezüglich bislang keine eindeutige Ablehnung gekommen. Vogel, der im Auftrag der Bundesregierung mit France Telecom über eine Schuldenübernahme verhandelt hatte und darüber den Aufsichtsrat am Mittwoch informierte, soll allerdings eine Rolle als Treuhänder abgelehnt haben. Dadurch wolle er seine Unabhängigkeit wahren, hatte es geheißen. Schmid wollte das Aktienpaket an Vogel übertragen, damit dieser "alle Fäden und Vollmachten zur Rettung von Mobilcom in Händen" halte. Die Übertragung dieses Aktienpakets gilt als wichtige Voraussetzung für einen Kompromiss mit France Telecom.

Wie aus Aufsichtsratskreisen weiter verlautete, geht es bei den Verhandlungen auch noch um die Höhe der finanziellen Ansprüche, die Mobilcom an France Telecom wegen des Rückzug aus dem Kooperationsabkommen zum Aufbau des UMTS-Mobilfunks richtet. Dabei gehe es um "ein paar Hundert Millionen" Euro, hieß es. Weitere Forderungen in Höhe von rund 600 Millionen Euro richtet der Mobilfunkanbieter E-Plus an Mobilcom aus einem Roaming-Vertrag, dessen Nutzung inzwischen allerdings hinfällig ist. Eine E-Plus-Sprecherin sagte, bei dieser Summe handele es sich um erwartete Einnahmen aus einem auf elf Jahre angelegten Vertrag. Die Forderung müsse daher "realistisch betrachtet" werden.

Die am Neuen Markt gelistete Mobilcom-Aktie notierte am Nachmittag bei gut fünf Euro über ein Prozent im Minus.

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