Verhandlungen stehen kurz vor dem Abschluss – Carlyle baut seine Zuliefergruppe aus
Continental will Tochter Conti Tech an US-Fonds verkaufen

Continental will die Tochter Conti Tech nun doch komplett verkaufen. Das Unternehmen verhandelt exklusiv mit der Investmentfirma Carlyle, die bereits zwei Autozulieferer in Deutschland besitzt.

stw HANNOVER. Der Verkauf der Continental-Tochter Conti Tech geht in die Endphase. In rund drei Wochen solle der Vertrag unter Dach und Fach sein, hieß es gestern in Kreisen der Continental AG, Hannover. Von nun an werde exklusiv mit der Carlyle Goup, Washington D.C., verhandelt. Die US-Investmentfirma baut offenbar an einer größeren Zuliefergruppe. Ihr gehören bereits zwei deutsche Unternehmen dieser Branche.

Mit der Conti Tech käme eine Holding hinzu, deren acht Geschäftsbereiche allein das Ausgangsmaterial Kautschuk gemeinsam haben. Continental hat hier seine Aktivitäten abseits des Reifens konzentriert. Mit dem Verkaufserlös will der Konzern das neue Geschäftsfeld Fahrwerkstechnik ausbauen. Außerdem gilt es, den Kauf der Elektroniktochter Temic von Daimler-Chrysler zu finanzieren. Ein Konzernsprecher wollte gestern nichts zu den Verhandlungen sagen.



Entgegen früheren Plänen sollen auch die Sparten Luftfedersysteme und Schwingungsdämpfer verkauft werden, obwohl vor allem die Luftfedern gut zu Contis Anspruch passen, Systemlieferant für "Chassis Control" zu werden. Eine mögliche Erklärung für den Verzicht: Continental bemüht sich seit längerem um den Kauf der Siemens-Tochter Mannesmann Sachs. Eine Verbindung mit dem Stoßdämpferhersteller würde die Lücke schließen.



Weitere Geschäftsbereiche von Conti Tech sind Fluid (Schlauchleitungen), Benecke-Kaliko (Folien), Antriebssysteme (Zahnriemen), Profile (Dichtungen), Elastomerbeschichtungen (Drucktücher und Membranen) und Transportbandsysteme. Im vergangenen Jahr steigerte die Gruppe mit 15 800 Beschäftigten den Umsatz um 4,2 % auf 1,8 Mrd. Euro und den operativen Gewinn (Ebit) um 6,8 % auf 139 Mill. Euro. Zwei Drittel des Geschäfts entfielen auf die Autoindustrie.



Ursprünglich hatte es geheißen, Continental wolle mit dem Verkauf von sechs Sparten rund eine Mrd. Euro einnehmen. Da nun zwei Sparten hinzu kommen, könnte es mehr werden. Intern gilt der Preis als wesentlicher Punkt, an dem das Geschäft noch scheitern könnte.



Hans Albrecht, Chef der deutschen Carlyle-Repräsentanz in München, wollte zu den Meldungen vorerst nicht Stellung nehmen. Sein Fonds ist bereits an zwei deutschen Zulieferern beteiligt. Die Honsel GmbH + Co. KG, Meschede, ist ein Spezialist für Leichtmetalldruckguss mit mehr als einer Mrd. DM Umsatz. Die Beru AG, Ludwigsburg, produziert Zündungstechnik für Motoren und setzt knapp 500 Mill. DM um. Beide sind unter Carlyle-Regie deutlich gewachsen.



Die Gruppe hat seit der Gründung 1987 weltweit rund fünf Mrd. Dollar in Firmenbeteiligungen investiert. Im vergangenen Jahr betrug das Fonds-Volumen nach Carlyle-Angaben 11,5 Mrd. $. Den Europa-Beirat schmücken illustre Namen: dort agieren unter anderem der ehemalige US-Außenminister James Baker, der einstige Bundesbank-Präsident Karl-Otto Pöhl und der frühere britische Premierminister John Major.

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