Verheerende Auswirkungen, wenn der Virus sich ausbreitet: SARS bedroht globale Lieferketten

Verheerende Auswirkungen, wenn der Virus sich ausbreitet
SARS bedroht globale Lieferketten

Der gefährliche SARS-Virus wartet noch auf seine Entschlüsselung, da verbreitet er in der High-Tech-Branche Angst und Schrecken. "Im schlimmsten Fall wird die Epidemie zu größeren Unterbrechungen der globalen Lieferketten führen und damit zu einem weiteren Abschwung in einer ohnehin schon gebeutelten Industrie", sagt der Analyst Russ Craig bei der Aberdeen Group in Taiwan, einer der Hochburgen der weltweiten IT-Branche.

PEKING. Die südchinesische Boomprovinz Guangdong, in der die ersten Fälle von SARS beobachtet wurden, ist das Epizentrum im globalen Infarkt-Szenario der Nachschub- Experten. Ihre Warnungen häufen sich seit Tagen. Aus gutem Grund.

In der Stadt Shunde werden 40 % aller Mikrowellen für den Weltmarkt gebaut. Aus der Sonderwirtschaftszone Shenzhen bezieht der Weltmarkt 70 % aller Kopiergeräte und 80 % der künstlichen Weihnachtsbäume. Hier lassen westliche Sport-Multis mehrere hundert Mill. Turnschuhe im Jahr produzieren. Fallen auch nur ein paar dieser Fabriken aus, könnten Logistikern und Einkäufern nicht nur bei Nike und Adidas schnell die Schweißperlen auf der Stirn stehen.

Aus Guangdong kommen auch Millionen von Kameras japanischer Konzerne und zentrale Komponenten der Mobilfunk-Branche. Längst ist die Provinz zu einem globalen Nervenzentrum der weltweiten High-Tech-Industrie aufgestiegen.

In Guangdong hat der SARS-Virus ideale Brutbedingungen: Dank des warmen Klimas, hoher Bevölkerungsdichte, vieler Häfen, mangelnder Hygiene und enger Gemeinschaft von Mensch und Tier. In den Ballungszentren der Boomprovinz gibt es ungezählte Fabriken, in denen Tausende von Billiglöhnern für 30 Cent pro Stunde 12 Stunden am Tag schuften, um preisgünstige Turnschuhe, Spielzeuge, Möbel oder Computerteile herzustellen.

Nachts werden sie auf dem Fabrikgelände zu Hunderten in kleinen, schlecht belüfteten Schlafsälen zusammen gepfercht. Rund 30 Mill. Menschen malochen in dieser Region tagein tagaus dafür, dass Guangdong den Globus monatlich mit Waren im Wert von zehn Mrd. Dollar überschwemmt.

In der Boomstadt Dongguan, die zur weltweiten Hochburg für Peripheriegeräte der Computerindustrie aufgestiegen ist, baut Samsung jährlich acht Mill. Displays für die Handys von Nokia und Motorola. In dieser Region ordert der Computer-Weltmarktführer Dell mit minimalem zeitlichen Vorlauf bei Dutzenden von Zulieferern strategisch wichtige Komponenten. "Wenn es auf der Autobahn zwischen Dongguan und Shenzhen einen Stau gäbe", warnte der Asien-Pazifik-Chef bei IBM, "dann würden auf dem Weltmarkt 70 % der Computerprodukte knapp."

Amerikanische Volkswirte und Militärstrategen warnen seit Jahren vor der Abhängigkeit, in die Chinas technischer Aufstieg westliche High-Tech-Multis treibt. "Die große Frage ist, ob die Weltwirtschaft so abhängig von der industriellen Nabelschnur China wird, dass sie gefährlich verletzlich ist durch eine größere Lieferketten-Unterbrechung wegen Krieg, Terror, sozialen Unruhen oder Naturkatastrophen", warnte schon im Sommer 2002 Jeffrey Garten, Leiter der Management- Schule an der Yale-Universität. Seine Sorge: "Wird Chinas Bedeutung in der weltweiten Produktion bald der Saudi Arabiens im globalen Ölmarkt gleichen?"

Mit jedem Tag, an dem Ärzte und Forscher den SARS-Virus nicht in den Griff bekommen, wächst die Sorge vor verheerenden Kettenreaktionen der globalen Lieferbeziehungen, die in Guangdong beginnen. Warnungen wie die von Barry Lynn in der Zeitschrift Harper?s werden im Investmentboom, der China 2002 zum weltweit größten Empfänger ausländischer Direktinvestitionen machte, kaum wahr genommen: "Während US-Firmen Milliarden von Dollars in China und Taiwan investieren, hat keiner unserer Beamten jemals die Risiken analysiert, die darin liegen, einem der am wenigsten stabilen und am wenigsten transparenten Staaten auf der Erde, China, die Hand zu reichen."

Immer wieder wird in den letzten Tagen das Beispiel Dell genannt: Bis TSMC in Taiwan wegen des Erdbebens von 1999 die Lieferung von Chips einstellte, wussten Dell-Manager fast nichts von ihrer Abhängigkeit von dem Chipfabrikanten, denn ihren Einkauf hatten sie auch nach draußen vergeben

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