Verheerende Gasexplosion
Bewohner vor Trümmern ihrer Existenz

Nach dem verheerenden Explosionsunglück in Halle haben die Bewohner am Sonntag ihre letzten Habseligkeiten und Wertsachen aus den Trümmern gerettet.

HB/dpa HALLE. Ein 52 Jahre alter Mann, den die Druckwelle aus dem Fenster geschleudert hatte, kämpfte nach Angaben der Ärzte weiter ums Überleben. Er leide unter schweren offenen Schädel-Hirn-Verletzungen. "Man muss damit rechnen, dass er diese Verletzungen nicht überstehen wird", sagte ein Arzt am Sonntag in Halle. Vier weitere Menschen wurden leicht verletzt. Die vermutlich zwei Detonationen hatten am Samstag einen Straßenzug des Altstadtviertels verwüstet. Ein Wohn- und Geschäftshaus wurde dem Erdboden gleich gemacht, zwei angrenzende Häuser wurden weitgehend zerstört. Ob es sich um einen Unfall, Fahrlässigkeit oder ein Verbrechen handelt, war auch am Sonntag weiter unklar.

Die Ermittler des Landeskriminalamtes und Brandursachenforscher nahmen ihre Arbeit auf. Nun müssten die Spuren gesichert und ausgewertet werden, sagte Sachsen-Anhalts Innenminister Klaus Jeziorsky (CDU) an der Unglücksstelle. "Erste Ergebnisse wird es erst in einigen Tagen geben", sagte Polizeisprecher Siegfried Koch. "Es wird noch Monate dauern, bis die Leute das verarbeitet haben", sagte Seelsorgerin Thea Ilse. Wenige Tage vor Weihnachten stünden 40 Menschen vor dem Nichts. "Das ganze Ausmaß der Katastrophe wird erst bewusst, wenn man unter einem fremden Tannenbaum sitzt. Heiligabend wird für viele schlimm werden." Alle Betroffenen waren zunächst bei Freunden und Verwandten untergekommen.

"Wie durch ein Wunder ist an unserer Wohnung äußerlich nichts passiert. Sogar mein Weihnachtsstern hängt noch am Fenster", meinte die Frau, die Wand an Wand mit dem schwer verletzten Opfer wohnte. Ihr Mann und sie besitzen nur noch, was sie zum Zeitpunkt des Unglücks auf dem Leib trugen.

Die meisten Bewohner des Viertels begannen unterdessen mit dem Aufräumen, Handwerker sicherten zerborstene Fensterscheiben. "Viele waren jetzt gerade erst fertig und hatten ihre Häuser saniert", sagte Ilse. Statiker müssen nach Angaben von Halles Oberbürgermeisterin Ingrid Häußler (SPD) klären, wie hoch der Schaden an anderen Häusern in der Stephanusstraße ist und ob diese eventuell abgerissen werden müssen.

140 Einsatzkräfte hatten die ganze Nacht nach weiteren möglichen Verschütteten gesucht und trugen Schicht um Schicht die Trümmer ab. "Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" werde keine Person mehr vermisst, sagte Häußler. Dennoch sollten am Sonntag noch einmal Spürhunde das 400 Quadratmeter große Terrain absuchen. Einige Stunden vor der Detonation waren Einsatzkräfte der Stadtwerke Halle schon einmal in das Viertel nördlich des Hallenser Stadtzentrums gerufen worden. Sie suchten in einer Parallelstraße vergeblich ein Leck, nachdem Anwohner sich über Gasgeruch beschwert hatten. Über ein Versäumnis des Energieversorgungsunternehmens gebe es keine Erkenntnisse.

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