Verheugen fühlt sich getäuscht von Regierung
EU: Zypern soll sich vor Beitritt vereinigen

Die Europäische Union hat die griechische und türkische Bevölkerung Zyperns am Mittwoche aufgerufen einer Wiedervereinigung der Insel zuzustimmen. Am Samstag entscheiden die Zypern darüber in einem Referendum.

HB STRASSBURG. "Die Menschen in Zypern stehen vor einer einzigartigen historischen Möglichkeit. Sie werden sich der Bedeutung ihrer Entscheidung und der daraus entstehenden Möglichkeiten für Zypern, seine Nachbarn und ganz Europa bewusst sein", sagte der irische Staatssekretär Dick Roche für die amtierende irische EU-Ratspräsidentschaft am Mittwoch im Europaparlament in Straßburg. Stimmen die griechischen und türkischen Zyprer am Samstag in getrennten Referenden für die Wiedervereinigung der Insel, tritt das geeinte Zypern am 1. Mai der Europäischen Union bei. Bei einem Nein wird nur der griechische Süden aufgenommen.

EU-Erweiterungskommissar Günter Verheugen kritisierte die griechisch-zypriotische Regierung scharf. "Ich persönlich fühle mich durch die Regierung der Republik Zypern getäuscht", sagte Verheugen. Die Regierung von Präsident Tassos Papadopoulos habe ihm zugesagt, alles für die Einigung zu tun. Jetzt rufe sie die Bevölkerung auf, gegen den Plan zu stimmen. "Ich habe nur noch wenig Hoffnung, dass wir die wenigen fehlenden Zentimeter schaffen, die uns zur Einigung fehlen."

Für die konservative EVP-Fraktion im Parlament sagte der Abgeordnete Elmar Brok (CDU): "Es gibt Probleme bei einer Wiedervereinigung. Aber der Nutzen für beide Seiten übersteigt die Kosten um ein Vielfaches." Die SPD-Abgeordnete Mechthild Rothe warnte die Bevölkerung Zyperns vor einem Nein: "Es wird so schnell keine neue Chancen geben. Der Plan darf nicht durch fehlende oder falsche Informationen verspielt werden." Ihr Luxemburger Kollege Jacques Poos rief beide Seiten dazu auf, ihren Nationalismus bei der Abstimmung am Samstag außen vor zu lassen.

Der Grüne Daniel Cohn-Bendit sprach sich dafür aus, die türkischen Zyprer nicht für ein Nein der griechischen Zyprer zu bestrafen. In diesem Fall müsse die Europäische Union mit dem bislang international nicht anerkannten Norden kooperieren und für ein Ende der Sanktionen eintreten. Insgesamt sei er jedoch optimistisch: "Ich glaube, dass die Menschen im Süden der Insel intelligenter sind als ihre politischen Führer."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%