Verhöre zeigen erste Erfolge
USA setzen Scheich Mohammed unter Druck

Die ersten Verhöre des in Pakistan festgenommenen Bin-Laden-Stellvertreters Chalid Scheich Mohammed haben bereits einige Hinweise auf andere El-Kaida-Kämpfer erbracht. Diese hielten sich in Pakistan versteckt, sagte der Sprecher des pakistanischen Außenministeriums, Aziz Ahmed Khan, nach Presseberichten vom Montag.

HB/dpa ISLAMABAD/WASHINGTON. Ob darunter auch Osama bin Laden selbst ist, war unbekannt.

Es gebe keinen Zweifel, dass es sich um Mohammed handele, der als Nummer Drei in Osama bin Ladens Terrornetzwerk El Kaida gilt, sagte Khan. Bei der Vernehmung des mutmaßlichen Terroristenführers werde "jeder mögliche Druck" angewendet, um ihm Informationen über geplante Terroranschläge zu entlocken, sagte ein US-Geheimdienstbeamter dem Fernsehsender CNN.

Mohammed wird beschuldigt, an zahlreichen Terroranschlägen gegen die USA beteiligt gewesen zu sein, darunter die vom 11. September 2001. Seine Festnahme gilt als bislang größter Erfolg bei der Suche nach den Hintermännern der Attentate von New York und Washington.

Er soll auch Drahtzieher des Anschlags auf eine Synagoge auf Djerba in Tunesien am 11. April 2002 sein, bei der 19 Touristen, darunter 14 Deutsche, ums Leben kamen. Weder das Bundesinnenministerium in Berlin noch die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe wollten zur Festnahme Mohammeds und einer möglichen Verbindung zu dem Djerba-Anschlag Stellung nehmen. "Wir versuchen uns jetzt ein Bild zu machen", sagte ein Sprecher in Karlsruhe.

In den USA wurde die Festnahme als überragender Erfolg gewertet. "Dies ist das Äquivalent zur Befreiung von Paris im Zweiten Weltkrieg", sagte der republikanische Abgeordnete Porter Goss am Sonntag in einer Talk-Show. "Es ist, als wäre Goebbels gefasst worden." Folter sei unter amerikanischer Aufsicht absolut unzulässig, versicherte Goss. "Unser Land steht für Anstand, Demokratie, Freiheit und so weiter. Bei den anderen ist das anders, aber wir müssen diese Standards hochhalten." Die Amerikaner erhoffen sich von Mohammed Aufschluss über den Verbleib der anderen rund 20 gesuchten El- Kaida - Anführer, darunter Bin Laden.

Pakistan will den Mohammed nur mit Erlaubnis seines Heimatlandes Kuwait an die USA ausliefern, sagte der pakistanische Innenminister Faisal Saleh Hayat nach Presseberichten vom Montag. Er befindet sich noch in Pakistan und wird verhört", sagte Hayat. Damit widersprach er Berichten, wonach Mohammed schon ausgeliefert worden sei.

Beobachter hielten es für möglich, dass die pakistanische Regierung eine schon erfolgte oder zumindest beschlossene Auslieferung an die USA nicht öffentlich machen wolle, um die Islamisten im eigenen Land nicht noch mehr gegen sich aufzubringen. Die US-Medien berichteten weiter, dass Mohammed den Amerikanern nach wenigen Stunden Vernehmung übergeben und außer Landes geschafft worden sei.

Radikale Muslime und viele ihrer Anhänger in Pakistan sind jedoch gegen die Hilfe, die die pakistanische Regierung den USA gewährt. Die Tatsache, dass US-Agenten in Pakistan an Ermittlungen und Verhaftungen beteiligt sind, stößt auf Kritik. Das Eingeständnis einer umgehenden Auslieferung Mohammeds hätte umso mehr Widerspruch auslösen können, als er pakistanischer Abstammung sei, meinten Beobachter.

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