Verhofstadt und Ahern verlieren, Juncker gewinnt
Wahlschlappen erschweren die Suche nach Prodi-Nachfolger

Bei den Wahlen zum Europaparlament und zu diversen Regionalparlamenten ist möglicherweise eine Vorentscheidung für die Nachfolge von EU-Kommissionspräsident Romano Prodi gefallen. In Belgien musste Premier Guy Verhofstadt, der als deutscher Wunschkandidat für die Prodi-Nachfolge gilt, laut Hochrechnungen eine schwere Schlappe seiner liberalen Partei bei den Regionalwahlen in Flandern einstecken. Damit sind die bisherige Ampelkoalition von Liberalen, Sozialisten und Grünen in Flandern und auch die nationale Regierung in Gefahr.

ebo/jh BRÜSSEL. Verhofstadt hat sich bisher weder zu einer Bewerbung um den Chefsessel in der EU-Kommission noch zu möglichen Konsequenzen aus den belgischen Regionalwahlen geäußert. Eine Wahlschlappe in Belgien dürfte jedoch seine Chancen für eine EU-Karriere mindern.

Der Fraktionsvorsitzende der konservativen EVP-Fraktion im EU- Parlament, Hans-Gert Pöttering, bekräftigte am Abend seine Ablehnung des Belgiers als Kommissionspräsident. "Verhofstadt ist nicht der Mann unseres Vertrauens", sagte er dem Handelsblatt. Pöttering besteht darauf, dass der neue Chef der EU-Behörde aus den Reihen der Konservativen kommt. Er favorisiert deshalb Luxemburgs Premier Jean-Claude Juncker und Österreichs Bundeskanzler Wolfgang Schüssel.

In Luxemburg ging Junckers Konservative Partei (CSV) als Sieger aus den parallel abgehaltenen Parlamentswahlen hervor. Nach Hochrechnungen des Fernsehens lag die CSV bei 37 Prozent und konnte damit im Vergleich zur letzten Wahl 1999 rund sieben Prozentpunkte zulegen. Juncker hat zwar mehrfach erklärt, dass er für die Prodi-Nachfolge nicht bereit stehe. Falls er seine Meinung ändern sollte, wäre ihm jedoch eine Nominierung für den Chefposten in der Brüsseler Behörde sicher.

Auch in Irland verlor die Partei von Premier Bertie Ahern nach ersten Schätzungen bei den Europawahlen deutlich an Stimmen. Ahern ist amtierender EU-Ratspräsident und gilt als Kompromisskandidat, wenn sich die Staats- und Regierungschefs beim EU-Gipfel am Ende dieser Woche nicht auf einen Nachfolger für Prodi einigen können.

Quelle: Handelsblatt

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