Verhüllungsverbot an Kairoer Uni
Schleierhafte Debatte

Der Dekan der Universität Helwan südlich von Kairo hat muslimischen Mädchen verboten, ihr Gesicht zu verdecken, wenn sie ein Studentenwohnheim betreten. Denn, so seine Begründung, ein Mann könnte sich die islamische Kleidung, die nur die Augen freilässt, überstreifen, um sich heimlich Einlass ins Reich der Frauen zu verschaffen.

KAIRO. Für Abdel Ebeid-Hay ist der Gesichtsschleier ein Sicherheitsrisiko. Dabei denkt der Dekan durchaus auch an seine eigene Sicherheit und nicht nur die der Mädchen: "Ihre Eltern würden mich töten, wenn ein Mann sich in die Wohnheime schleicht."

Mit seiner Entscheidung löste Ebeid in Ägypten, wo die meisten muslimischen Frauen und Mädchen Kopf und Haare mit einem Schleier bedecken, eine hitzige Debatte aus. Der Gesichtsschleier (Niqab), der aus den Golf-Ländern übernommen wurde, ist zwar noch in der Minderheit, aber klar auf dem Vormarsch in einer Gesellschaft, die sich immer religiös-konservativer gebärdet.

In der Universität Helwan selbst ist das Tragen des Gesichtsschleiers nach wie vor erlaubt. Weibliche Sicherheitsbeamte prüfen hier die Identität jeder Studentin, indem sie in Kabinen den Schleier lüften. Man habe aber nicht genug Personal, um dieses Verfahren auch im Wohnheim anzuwenden, so der Dekan. Dort wohnen vor allem Mädchen vom Land und aus weit entfernten Teilen Ägyptens. Islamistische Studentenverbände organisierten Demonstrationen gegen das Verbot, an denen etwa 500 Studenten teilnahmen. Für sie ist der Gesichtsschleier ein Meilenstein in der weiteren Islamisierung Ägyptens.

Doch das Kleidungsstück ist auch unter islamischen Gelehrten nicht unumstritten. Ebeid sagte der Wochenzeitung "Al Ahram Weekly", er habe sich zuvor mit dem Scheich der Al-Azahr-Moschee, Mohammed Sayed Tantawi, abgestimmt. Der Gesichtsschleier sei kein islamisches Gebot und sein Verbot verletze damit nicht die Religion, fasst Ebeid diese Konsultation zusammen. Scheich Tantawi dagegen will in der Öffentlichkeit keine Stellung nehmen und spricht von einer inneruniversitären Angelegenheit. Solange der Bann der Sicherheit der Studenten diene, gebe es keinen Grund, dagegen zu sein.

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