Verjährungsfrist läuft am 26. Mai ab
Kleinanleger ziehen Telekom vor den Kadi

Im Auftrag von rund 1 500 Kleinanlegern haben Anwälte am Montag beim Frankfurter Landgericht eine Zivilklage gegen die Deutsche Telekom AG eingereicht. Die Kläger werfen dem Unternehmen vor, in seinem Verkaufsprospekt zum dritten Telekom - Börsengang im Mai 2000 wesentliche Risiken verschwiegen zu haben. Sie verlangen daher ihr eingesetztes Kapital nebst Kosten zurück. Zusammen mit 1 000 weiteren Klagewilligen gehe es den Mandanten um rund 14 Mill. ?, teilte ein Vertreter der Wiesbadener Anwaltskanzlei Doerr, Kühn, Plück & Thoeren mit.

HB/dpa FRANKFURT. Anders als für institutionelle Anleger sei eine Klage in den USA für Kleinaktionäre aussichtslos, sagte Rechtsanwalt Ralf Plück. "Es lässt sich kein amerikanischer Bezug herstellen: Käufer, Börse und Unternehmen sind in Deutschland." Die größte Sammelklage von Anlegern in der deutschen Geschichte werde daher zeigen, wie es um den Anlegerschutz in Deutschland bestellt sei. Zwei andere Anwaltskanzleien hatten im März angekündigt, die Telekom in New York verklagen zu wollen. Eine Sammelklage von US-Investoren ist dort bereits zugelassen worden.

Hintergrund der Klage ist der massive Kursverfall der zum Preis von 66,50 ? (für Privatanleger 63,50 ?) an den Markt gebrachten Aktie. Aktuell schwankt der Kurs um die 11 ?. Die Anleger werfen der Deutschen Telekom vor, unter anderem den wahren Immobilienwert des Unternehmens und risikoreiche Investitionen verschwiegen zu haben. Unternehmen und Bund haben die Vorwürfe stets zurückgewiesen.

Als Hauptanteilseigner hatte der Bund bei der Emission rund 15 Mrd. ? eingenommen. Der Bundesrechnungshof lehnt es ab, ein Gutachten über die umstrittene Immobilienbewertung den Bonner Staatsanwälten zugänglich machen. Es sei schwer vorstellbar, dass die Nichtherausgabe die Ermittlungen behindere, sagte ein Sprecher. Der Bericht enthalte keine wesentlichen zusätzlichen Informationen für die Ermittler.

Die Verjährungsfrist für die Prospekthaftung der Telekom läuft am 26. Mai ab. Bis dahin will die Wiesbadener Kanzlei weitere rund 1 000 Klagen einreichen. Beim Frankfurter Landgericht liegen bereits einige Klagen weiterer Investoren vor, bestätigte ein Sprecher des Landgerichts. Termin und mögliche Zusammenfassung der verschiedenen Klagen seien noch nicht absehbar. Die von der Wiesbadener Sozietät vertretenen Aktionäre haben durchschnittlich 3 500 Euro eingesetzt. Die größten Verluste dieser Klägergruppe hatte ein Privatmann, der 560 000 Euro angelegt hatte.

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