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Verjüngungskur für den Spiegelsaal in Versailles

Versailles (dpa) - Die sieben prächtigen Kronleuchter, jeder mehr als 100 Kilogramm schwer, sind restauriert und schon wieder an ihrem Platz. Zehn Männer brauchten einen Tag, um die monumentalen Lüster in dem glanzvollsten aller Säle im Schloss von Versailles anzubringen.

Versailles (dpa) - Die sieben prächtigen Kronleuchter, jeder mehr als 100 Kilogramm schwer, sind restauriert und schon wieder an ihrem Platz. Zehn Männer brauchten einen Tag, um die monumentalen Lüster in dem glanzvollsten aller Säle im Schloss von Versailles anzubringen.

Am 1. Juli kann damit die eigentliche Verjüngungskur der «Galerie des Glaces» in dem weltbekannten Schloss bei Paris beginnen. Drei Jahre werden Dutzende von Restauratoren und Kunsthandwerker am Facelifting des mehr als drei Jahrhunderte alten Meisterwerkes arbeiten. Zwölf Millionen Euro kostet es, den Spiegelsaal aufzupolieren - und die drei Millionen Besucher jährlich sollen ihn dennoch sehen können.

Der Zahn der Zeit hat kräftig an dem 73 Meter langen und 13 Meter hohen Saal mit seinen 357 Spiegeln, 17 Arkaden und den Deckengemälden des Hofmalers Charles Le Brun genagt. Damit weiterhin Besucher aus aller Welt den Saal durchwandern und darauf achten können, wie das Licht durch Arkadenfenster in die Spiegel fällt, werden die acht bis zwölf Meter hohen Gerüste zunächst ein Drittel des Saales freilassen. Nach etwa eineinhalb Jahren soll dann dieser Teil restauriert werden.

Es ist zwar die wichtigste Restaurierung, die je in dem an historischen Bauten wahrlich nicht armen Frankreich von einem Mäzen in Angriff genommen wurde. Doch die Besucher des Schlosses, das von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt worden ist und als Inbegriff absolutistischer Macht gilt, sollten beim Spiegelsaal nicht plötzlich vor verschlossenen Türen stehen - er bleibt der prunkvolle Höhepunkt.

Zunächst gab es eine eingehende Schadensbilanz. Auf rollende Gerüsttürme kletterten Experten wie Anne Lepage und Thierry Martel, um eine Diagnose für den Saal zu stellen, der jetzt zur «königlichen Baustelle» wird. Die Zierleisten, der Stuck, Täfelung, Spiegel und Skulpturen, alles wurde auf Verschmutzung und Abnutzungssymptome hin geprüft. Wölbungen, haarfeine Risse und Schmutz wurden registriert.

Der von Jules Hardouin-Mansart in sechs Jahren gebaute Saal im Schloss des Sonnenkönigs Louis XIV hat Historisches und Turbulentes erlebt. Hier traf man sich nur zu den wirklich exklusiven Festen und Hofzeremonien. Mit den Wirren der Französischen Revolution traten die Höflinge und Kurtisanen ab, später im 19. Jahrhundert wurden noch ein paar große Bälle hier gefeiert.

Und dann die blutige Geschichte: Nach dem deutschen Sieg 1871 proklamierte Bismarck in dem Spiegelsaal das Zweite Deutsche Kaiserreich. Als Revanche ließen die Franzosen nach dem Ersten Weltkrieg die Deutschen an gleicher Stelle den Versailler Vertrag unterschreiben - Regierungschef Clemenceau bestand darauf.

Bezahlt wird die Politur dieses einzigartigen Ortes der Geschichte von dem Unternehmen Vinci, das zur Suez-Gruppe gehört und sich sonst auf den Bau von Autobahnen und Parkhäusern spezialisiert hat. Das Unternehmen konnte allerdings nicht einfach entscheiden, was wann gemacht wird. Ein internationaler wissenschaftlicher Ausschuss wacht darüber, wie dieses historische Monument wieder auf Hochglanz kommt.

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