Verkauf der Nicht-Kerngeschäfte geht weiter
Eon verhandelt mit Norsk Hydro über VAW

Der Energiekonzern Eon treibt die Konzentration auf das Kerngeschäft voran. In diesem Jahr haben die Düsseldorfer bereits drei Geschäftsbereiche verkauft - Öl, Stahlhandel und Waferproduktion. Nun bestätigt Eon mit Norsk Hydro erstmals einen Kaufinteressenten für die Aluminium-Sparte.

HB DÜSSELDORF. Die norwegische Norsk Hydro verhandelt mit der Eon AG über den Erwerb deren Tochter VAW Aluminium AG, Bonn. Erstmals hat sich damit der aus der Fusion von Veba und Viag hervorgegangene Eon-Konzern konkret über einen möglichen Käufer für die Aluminium-Sparte geäußert. VAW liegt mit einem Umsatz von 3,7 Mrd. Euro im Mittelfeld der zehn größten Aluminiumhersteller.

Doch die beiden Gesprächspartner verwiesen gestern in einer dürftigen Mitteilung nur darauf, dass die Verhandlungen noch einige Monate in Anspruch nehmen würden. Weitere Informationen würden sie erst nach Abschluss der Verhandlungen geben - vermutlich im Frühjahr 2002. Branchenexperten rechnen damit, dass Eon für VAW knapp drei Mrd. Euro erzielen dürfte. Für den Mischkonzern Norsk Hydro, der sich erklärtermaßen im Aluminiumgeschäft verstärken will, wäre die Summe leicht zu verkraften. Seine Kasse ist mit fast vier Mrd. Euro gut gefüllt.

Spekulationen über weitere Zusammenarbeit mit Norsk Hydro

In der Energiebranche wird zudem darüber spekuliert, dass der Aluminium-Deal der erste Schritt einer intensiveren Zusammmenarbeit zwischen Norsk Hydro und Eon sein könnte. Norsk Hydro ist nach Statoil der zweitgrößte norwegische Produzent von Öl und Gas und Eon hinter Electricité de France (EdF) der zweitgrößte Energiekonzern in Europa. Der Düsseldorfer Konzern strebt die Mehrheit an dem größten europäischen Gashändler Ruhrgas AG an, ist aber in der Exploration und Produktion von Gas schwach. Da würde es gut passen, dass Norsk Hydro bei der anstehenden Privatisierung staatlicher norwegischer Öl- und Gasfelder mitbieten will. Norwegen ist neben Russland und den Niederlanden der dominierende Erdgas-Lieferant Deutschlands.

Vor Norsk Hydro hatten schon viele große Aluminiumkonzerne wie Alcan aus Kanada, Alcoa aus den USA und Pechiney aus Frankreich Interesse an VAW bekundet, zumeist aber aus kartellrechtlichen Gründen nur an Teilen des Unternehmens. Nie offiziell bestätigt hat Eon Verhandlungen mit dem britischen Finanzinvestor CVC Capital Partners, die nach Medienberichten bereits weit gediehen waren. Einen Börsengang der VAW hatte Eon schon früh verworfen.

Weitere Töchter auf der Verkaufsliste

Seit der Fusion von Veba und Viag vor zwei Jahren steht die von der Viag eingebrachte VAW als Randgeschäft auf der Verkaufsliste - genau so wie die Immobilientochter Viterra, der Logistikdienstleister Stinnes und das Spezialchemieunternehmen Degussa. Verkauft hat Eon im laufenden Jahr schon den Stahlhändler Klöckner & Co an die britische Balli-Gruppe sowie den defizitären Siliziumwafer-Produzenten MEMC an US-Finanzinvestoren.

Außerdem steht demnächst noch die kartellrechtliche Genehmigung des Eon-Deals mit der BP an. Danach übernimmt Eon für 2,4 Mrd. Euro vom britischen Ölkonzern dessen 25,5-Prozent-Anteil an der Essener Ruhrgas AG. Im Gegenzug erhält BP die Veba Oel mit Aral. Allerdings erwarten Branchenbeobachter für den Gasteil des Pakets harte Auflagen des Bundeskartellamtes.

VAW ist kein Problemfall

Beim Verkauf von VAW bestehe kein Zeitdruck, hat Eon-Chef Ulrich Hartmann immer wieder betont. Denn der Aluminium-Hersteller, der mit dem kanadischen Weltmarktführer Alcan in Neuss das technologisch und in der Kapazität führende Walzwerk betreibt, ist kein Problemfall. Im Gegenteil: VAW hat in den vergangenen Jahren ordentliche Gewinne eingefahren. Im Jahr 2000 lagen die Umsatzrendite bei 5 % und die Kapitalrendite bei 18 %.

Der norwegische Mischkonzern Norsk Hydro ASA, Oslo, gehört zu den weltweit führenden Aluminiumherstellern. Als drittes Geschäftsfeld ist der Konzern als Düngemittelhersteller in der Agrochemie aktiv. Im vergangenen Jahr hat er bei einem Umsatz von umgerechnet 20 Mrd. Euro einen Gewinn von 3,8 Mrd. Euro erzielt. Allerdings stammen zwei Drittel davon aus dem Öl- und Gasgeschäft. Wegen des Preisverfalls auf den Ölmärkten in den vergangenen Monaten hatte das Unternehmen Mitte Oktober eine Gewinnwarnung ausgegeben.

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