Verkauf des Mikrochipherstellers ZMD ist noch nicht über die Bühne
Sachsenring droht Finanzengpass

Dem Automobilzulieferer Sachsenring AG drohen Liquiditätsprobleme. Der Grund: Ein Teil des Geldes aus dem Verkauf von Anteilen an dem Mikrochiphersteller Zentrum Mikroelektronik Dresden GmbH (ZMD) ist bis heute nicht geflossen.

HB BERLIN. Es handelt sich dabei um rund 60 Mill. Euro des ursprünglichen Gesamtkaufpreises von rund 92 Mill. Euro, den die Beteiligungsgesellschaft Global Asics an Sachsenring zahlen wollte. Im Gespräch mit dem Handelsblatt bestätigte Sachsenring-Finanzvorstand Konrad Laurer, dass Banken Kredite in Höhe von rund 40 Mill. Euro gegenüber Sachsenring jederzeit fällig stellen könnten. Das würde die Liquidität des Automobilzulieferers gefährden.

Noch immer hofft Sachsenring, seine angespannte Finanzlage gerade durch den noch ausstehenden Erlös von rund 60 Mill. Euro aus dem Verkauf der ZMD zu entlasten. Den Mikrochip-Produzenten hatte der Zwickauer Automobilzulieferer im vergangenen Winter für rund 92 Mill. Euro an die Beteiligungsgesellschaft Global Asics verkauft. Die Investorengemeinschaft Global Asics dient nur als Vehikel für den Verkauf von ZMD an einen anderen Investor.

Der weitere Verkauf verzögert sich auch wegen der schwierigen Lage in der weltweiten Halbleiterindustrie. Dennoch betrachtet es Laurer "als nicht unrealistisch, dass die ZMD noch in diesem Jahr verkauft wird". Man habe "konkrete Käufer im Visier", erklärte er.

Bisher hat der Zwischenkäufer Global Asics erst ein Drittel des Kaufpreises an Sachsenring gezahlt. Mehr Geld ist nicht zu erwarten, auch weil Sachsenring selbst mit 37,4 % an der Investmentgesellschaft beteiligt ist. Die restlichen Anteile halten die WGZ-Bank (30 %), Mitarbeiter der ZMD sowie des Millenium Capital Fonds 1, an dem unter anderem Carl-Peter Forster, der Vorstandschef der Adam Opel AG, beteiligt ist. Forster gilt als Freund der Brüder Rittinghaus.

Jahrelang galt Sachsenring als Erfolgsbeispiel

Die Unternehmensvorstände Ulf und Ernst Wilhelm Rittinghaus haben Sachsenring, den Hersteller des ehemaligen DDR-Autos Trabant, nach der Wende gekauft und zusammen mit Jürgen Rabe zu einem Automobilzulieferer umstrukturiert. Jahrelang galt die am Neuen Markt notierte Firma als Erfolgsbeispiel aus den neuen Bundesländern.

Seit sie jedoch Verluste schreibt, ist die Finanzwelt skeptisch. Analysten etwa der DG-Bank oder von Independent Research verfolgen das Unternehmen nicht mehr. Im vergangenen Jahr belief sich der Jahresverlust von Sachsenring auf 15 Mill. Euro. Für dieses Jahr peilt Sachsenring zumindest operativ einen leichten Gewinn von 0,6 Mill. Euro an, bei einem Umsatz von 290 Mill. Euro. Eine Dividende schließt Laurer aus. Rund 39 % der Aktien halten heute die drei Vorstände, die beiden Brüder Rittinghaus und Rabe.

Laurer hatte erst im November vergangenen Jahres das Finanzressort im Vorstand übernommen. Bereits in der Bilanz 2 000 musste er misslungene Verkäufe verbuchen. So erklärt Laurer außerordentliche Aufwendungen in Höhe von knapp 120 Mill. Euro zum Teil damit, dass der Verkauf der Sachsenring-Maschinenbausparte an die Rheinmetall-Tochter Jagenberg AG fehlgeschlagen sei. Ein weiterer zweistelliger Millionenbetrag entfalle auf fälschlicherweise erwartete Einnahmen aus Patenten und Lizenzen. Laurer musste einräumen, dass eine Fehleinschätzung in dieser Größenordnung der gebotenen kaufmännischen Vorsicht nicht mehr entspreche.

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