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Verkauf einer Ikone

Es gibt wohl kaum etwas Kanadischeres als die Hudson´s Bay Company. Was heute Kanada ist, das war vor Jahrhunderten und für Jahrhunderte das Land der Hudson´s Bay Company. Und nun will, o Schreck, ein US-Amerikaner dieses Traditionsunternehmen erwerben.

Es gibt wohl kaum etwas Kanadischeres als die Hudson´s Bay Company. Was heute Kanada ist, das war vor Jahrhunderten und für Jahrhunderte das Land der Hudson´s Bay Company. Und nun will, o Schreck, ein US-Amerikaner dieses Traditionsunternehmen erwerben. Für national gesinnte Kanadier ist das der Ausverkauf kanadischer Geschichte. Und doch fährt der Zug in diese Richtung. Der US-Industrielle Jerry Zucker bietet eine Milliarde Kanada-Dollar (rund 700 Millionen Euro) für die Kaufhauskette. Der in South Carolina ansässige Zucker ist mit einem Anteil von 18,8 Prozent bereits heute der größte Aktionär der HBC.

Mit Fug und Recht kann die Hudson´s Bay Company als kanadische Ikone bezeichnet werden. Am 2. Mai 1670 war sie durch eine Charta des englischen Königs Charles II als "Company of Adventurers" (Unternehmen der Abenteurer) gegründet worden und hatte das Handelsmonopol für das Einzugsgebiet der Hudson Bay. Zwei französische Abenteurer, Pierre-Esprit Radisson und Medard des Groseilliers, waren über das von den Franzosen für den Pelzhandel erschlossene Gebiet im heutigen Quebec hinausgedrungen. Sie kamen an die Hudson Bay und erkannten, dass es leichter sein würde, von hier aus direkt über den Seeweg Pelze nach Europa zu bringen anstatt sie über Land bis zum St. Lorenz-Strom zu schleppen.

Aber der französische Staat war nicht bereit, in das Unternehmen zu investieren - und so wandten sie sich an die Engländer, die die Chance erkannten. 15 Jahre später waren an der Hudson Bay eine Reihe Forts etabliert, die zum Zentrum des Pelzhandels wurden. Schließlich erstreckten sich die Posten der Hudson Bay Company/Compagnie de la Baie d´Hudson bis weit in die Prärie hinein. Mehr als ein Drittel der Fläche des heutigen Kanada gehörte ihr. Als sie 1821 mit der konkurrierenden North West Company fusionierte, kontrollierte sie den Pelzhandel auf einem Viertel der nordamerikanischen Landmasse. 1870, drei Jahre nach Gründung des Staates Kanada, wurde das Land an die Regierung Kanadas verkauft.

Erst 1881 begann das Unternehmen, sich vom Pelzhandel und dem reinen Gütertausch zu lösen und sich zu einem Kaufhaus zu entwickeln. Das Geschäft mit Versandkatalogen begann. Heute hat es 98 Häuser und zielt auf Kunden im mittleren und oberen Einkommensbereich. Zur HBC-Gruppe gehören mittlerweile neben den tradionellen Kaufhäusern ("The Bay") die Kaufhauskette Zellers und das Ausstattungshaus Home Outfitters. Insgesamt hat HBC rund 500 Niederlassungen in Kanada mit 70.000 Beschäftigten.

Aber die Bay muss seit Jahren auf dem umkämpften Kaufhausmarkt Kanadas kämpfen. Kleinere Spezialgeschäfte etwa im Bekleidungssektor machen ihr zu schaffen, andererseits sind es große Discounter wie Wal-Mart, die ihr Kunden abnehmen. Ein im Jahr 2003 verkündetes, auf fünf Jahre angelegtes Konzept der HBC-Spitze, die Verkaufszahlen und die Attraktivität der Häuser durch neue Produkte und Gestaltung deutlich zu steigern, brachte bislang nicht den erwarteten Erfolg.

Jerry Zucker hat wohl die Geduld verloren. Er will die "operationelle Effektivität" und den Aktienwert erhöhen. Pro Aktie der Hudson´s Bay Company will er 14,75 kanadische Dollar zahlen. Die Kosten für den Erwerb der Aktien werden auf 832 Millionen Dollar beziffert. Hinzu kommt die Übernahme von Schulden. Der Kauf soll über Maple Leaf Heritage Investments Acquisition Corporation erfolgen, eine von Zuckers Firmen. Die Firma hatte bereits im Sommer 2003 begonnen, Aktien der Hudson´s Bay Company zu kaufen und im Dezember 2003 erstmals Interesse bekundet, die HBC ganz zu erwerben.

Die Führung von HBC hat noch nicht entschieden, wie sie auf das Angebot der größten Aktionärs reagieren wird. Letztendlich werden die Aktionäre bestimmen. Es ist kaum zu erwarten, dass sie sich dabei von nationalen Gefühlen leiten werden. Und überdies, so meinte ein Beobachter, gehen viele von denen, die jetzt laut klagen, vermutlich ohnehin schon seit Jahren zu Wal-Mart.

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