Verkauf perfekt
Kabelnetz der Deutschen Telekom ist verkauft

Zwei Jahre nach dem Beginn der ersten Verhandlungsrunden wurden jetzt die restlichen sechs regionalen Kabelgesellschaften des Bonner Riesen für 5,5 Mrd. ? (10,7 Mrd. DM) an den US-Medienkonzern Liberty Media veräußert.

dpa BONN. Einschließlich der bereits vollzogenen Verkäufe in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg kassiert die Telekom eine Summe von rund 20 Mrd. DM.

Wenn das Bundeskartellamt in den nächsten Wochen grünes Licht gibt, liegen 460 000 TV-Kabelkilometer fest in den Händen von drei ausländischen Investoren: Neben Liberty Media sind das der US- Betreiber Callahan (Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg) sowie das britische Konsortium Klesch (Hessen). Mit einem Anteil von 40 % der TV-Kabelkunden mausert sich dabei Liberty Media und sein Gründer John Malone zum wichtigste Anbieter in Deutschland.

Dabei könnte die Telekom noch weitere Milliarden-Beträge erlösen, wenn sie sich von ihren Minderheitsanteilen in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg (jeweils 45 %) und in Hessen (35 %) trennt. Den vollständigen Rückzug aus diesen Gesellschaften hatte Vorstandsmitglied Gerd Tenzer bereits angekündigt.

Wichtig ist der direkte Zugang zum Endkunden

Anreiz für die Kabelnetzbetreiber ist vor allem der direkte Zugang zum Endkunden. Denn das Kabelnetz der Telekom führt in 18 Millionen Haushalte. Zwar sind auf der so genannten Netzebene vier - sie reicht von der Grundstücksgrenze bis in die Wohnung - noch zahlreiche kleine Unternehmen zwischen geschaltet. Doch auch hier wollen die Anbieter noch zukaufen.

Nach Aufrüstung des maroden Kabelnetzes sollen die Haushalte dann multimedia-fähige Dienste erhalten. Das heißt: eine Ausweitung des digitalen TV-Angebotes, Hochgeschwindigkeitszugang zum Internet oder gar Telefonieren über das Netz der Netze. Und alles unter Umgehung des Telefonnetzes der Telekom.

Telekom-Vorstand Tenzer darf sich jedenfalls freuen: "Mit dem heutigen Tag hat die Deutsche Telekom ihr Ziel erreicht, sich von ihren TV-Kabeln zu trennen". Der Verkauf sei ein wichtiger Bestandteil des Programms zur Veräußerung von Bereichen, die nicht mehr zu den Kernaktivitäten des Unternehmens gehörten.

Dies war keineswegs immer so. Erst durch eine entsprechende Anordnung der EU kam der Verkauf 1999 ins Rollen. Kaufangebote häuften sich, darunter auch eine Offerte der früheren Mannesmann AG, die das Kabelnetz komplett übernehmen wollte. Doch die Telekom rechnete sich durch den häppchenweisen Verkauf höhere Preise aus. Durch lange Verhandlungen gewann sie zudem wertvolle Zeit für den Aufbau ihres eigenen Breitbandnetzes T-DSL.

Verwendung der Einnahmen zum Schuldenabbau

Liberty Media hat die sechs Kabelgesellschaften Bayern, Rheinland- Pfalz, Bremen/Niedersachsen, Sachsen/Sachsen-Anhalt/Thüringen, Berlin/Brandenburg und Hamburg/Schleswig-Holstein vollständig übernommen. Branchenangaben zufolge wird der größte Teil des Kaufpreises in bar bezahlt. Der Rest wird finanziert über Aktien und Anleihen. Übernommen hat Liberty Media auch die Media Services GmbH, die die neutrale Plattform für digitales TV betreibt.

In den Geschäftsplänen der Telekom sind die Einnahmen aus dem Verkauf für den Schuldenabbau fest eingeplant. Ob der Betrag noch in diesem Jahr die Telekom-Bilanz verschönert, hängt vom Kartellamt ab. "Wichtig ist, dass die Mittel fließen", meinte ein Konzernsprecher. Bis Ende kommenden Jahres will die Telekom ihre Schulden von derzeit 65 Mrd. ? auf 50 Mrd. reduzieren.

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