Verkauf verschoben
Prag stärkt Marktstellung des Stromkonzerns CEZ

Nach dem Scheitern der Privatisierung des tschechischen Stromkonzerns CEZ ergreift Prag drastische Maßnahmen zu dessen Konsolidierung: Das tschechische Kabinett entschied am Montag, der staatlich dominierte Konzern solle alle Staatsanteile an acht regionalen Stromversorgern erhalten.

jow PRAG. Im Gegenzug würde die bisher hunderprozentige CEZ-Tochter fürs Hochspannungsnetz, CEPS, aus dem Konzern ausgegliedert und zu 66 % vom Staat übernommen. CEZ erklärte sich ferner bereit, dem Staat bis zu 30 Mrd. Kronen (950 Mill. Euro) für die Übernahme zu zahlen. Der Deal könnte die auch in Deutschland gehandelten CEZ-Aktien deutlich nach oben bewegen.

Analysten in Prag sind sich einig, dass die Konsolidierung den Verkauf des Staatsanteils an CEZ von rund 68 % auf die Zeit nach den Wahlen im Sommer verschiebt. Prag wollte bisher mindestens 200 Mrd. Kronen am Verkauf verdienen. Aber so viel wollte keiner der Bewerber zahlen, unter denen der französischen Stromkonzern EDF favorisiert worden war.

Jetzt sehen Marktexperten auch die Möglichkeit, den Konzern noch längere Zeit in Staatshand zu lassen: Die Marktstellung von CEZ sei derart gefestigt, dass der Konzern auch nach der Öffnung des tschechischen Strommarkts in der EU eine dominante Rolle in der Region spielen werde. CEZ bewirbt sich inzwischen auch um die Stromprivatisierung in der Slowakei und plant den Aufkauf tschechsicher Kohlezechen.

Doch auch im Falle eines Verkaufs erfüllt der Deal zwei Ziele: Er vereinfacht den CEZ-Verkauf, weil nurmehr ein Kaufvertrag statt mehrerer Verträge für CEZ und die Regionalver-sorger erforderlich wird. Und der Deal erfüllt eine Forderung der EU-Kommission und der Internationalen Energie-Agentur: Beide hatten aus Gründen des Wettbewerbs die Ab-trennung des Netzwerkbetreibers CEPS von CEZ gefordert, um eine etwaige Diskriminierung von mit CEZ konkurrierenden Stromlieferanten zu unterbinden.

Die Börse hat den Schritt am Montag positiv bewertet. Nach Bekanntwerden des Regierungsbeschlusses stieg der Kurs der CEZ Aktien gegen den Markttrend in Prag um 2 % auf 82,15 Kronen (2,59 Euro). Interne Dokumente der Regierung und von CEZ gehen indes von einer "Unterbewertung" und einem fairen Preis von 110 bis 120 Kronen ja Aktie aus.

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